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Auf gute Nachbarschaft und inneren Frieden

Initiative im Soldiner Kiez arbeitet künftig eng mit der Polizei zusammen

Lebensbilder auf der Prinzenallee. Der Soldiner Kiez gilt als problematisch.
Lebensbilder auf der Prinzenallee. Der Soldiner Kiez gilt als problematisch.

»Sind das eure Vollzugsbeamten?«, wurde Yousef Ayoub gefragt, als er mit ein paar Jugendlichen aus dem Soldiner Kiez und Polizisten ins Fitnessstudio ging. Der ungewöhnliche Aufzug ist Teil der Kiez-Initiative »KbNa - wir sind für einander da«, die Ayoub bereits 2009 ins Leben gerufen hat. Der Verein »Kiezbezogener Netzwerkaufbau« will künftig mit verschiedensten Projekten die Zusammenarbeit von Jugendlichen und der Polizei im Viertel verbessern. Beide Seiten geraten bei Einsätzen oft aneinander. Aus diesem Grund haben gestern Polizeioberrat Lutz Henning und Projektleiter Ayoub eine Kooperationsvereinbarung unterschrieben. An der Veranstaltung in der Polizeidirektion in Wedding nahm auch Bezirksbürgermeister Christian Hanke (SPD) teil, der in dem Projekt nicht nur ein profanes Mittel zur Kriminalitätsbekämpfung sieht. »Es geht vor allem darum, den inneren Frieden im Bezirk wieder herzustellen. Das geht nur über gegenseitiges Vertrauen und Respekt.«

Auf gute Nachbarschaft und inneren Frieden

Der Soldiner Kiez findet sich in allen Sozialstatistiken auf den unteren Rängen wieder. Im Sozialatlas 2010 landet er von 319 untersuchten Vierteln auf dem letzten Platz. Die Arbeitslosigkeit der 15- bis 65-Jährigen liegt laut einer Studie des Senats für Stadtentwicklung bei 17,2 Prozent.

Yousef Ayoub wollte der zunehmenden Rohheit im Kiez, in dem er aufgewachsen ist, etwas entgegensetzen. Vor zwei Jahren hat er damit begonnen, bereits bestehende Kiezprojekte anzusprechen, ist in Moscheen gegangen, um Unterstützung für seine Idee zu sammeln. Am wichtigsten aber waren die Jugendlichen selbst. »Am Anfang hat mir keiner geglaubt, dass eine Zusammenarbeit mit der Polizei überhaupt machbar ist.« In Jugendclubs und auf der Straße hat er versucht sie zu überzeugen, dass die Probleme im Kiez nur durch den direkten Dialog mit dem »Fremdkörper Polizei« in den Griff zu bekommen sind.

Bei Dienstgruppenleiter Carsten Prenzl rannte Ayoub mit seinem Anliegen offene Türen ein. Seit bei einem Polizeieinsatz auf einer Silvesterfeier im Jahr 2008/09 Steine und Flaschen auf Polizisten flogen, war ihm klar, dass sich etwas ändern muss und dass es ohne aufeinander zuzugehen nicht funktioniert. Seitdem nimmt Prenzl an gemeinsamen Grillabenden, Fußballturnieren und Fitnessstudiobesuchen teil. »Das ist einfach eine ganz andere Atmosphäre als im Einsatz. Wir lernen uns quasi alle noch einmal neu kennen.«

Der Musiker Mohamed Mitzjat rappte auf der Veranstaltung die Zeilen »Deine Nachbarschaft soll strahlen und scheinen«. Hanke in der ersten Reihe wippt mit.

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