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Wollitz verlässt Energie

Paukenschlag in Cottbus: Der Trainer hat überraschend seinen Vertrag mit dem Zweitligisten aufgelöst

Claus-Dieter Wollitz war in den zweieinhalb Jahren bei den Lausitzern nicht nur an der Seitenlinie immer voll engagiert.
Claus-Dieter Wollitz war in den zweieinhalb Jahren bei den Lausitzern nicht nur an der Seitenlinie immer voll engagiert.

Die Meldung am gestrigen Nachmittag überraschte nicht nur die Fans in der Lausitz. Der Zweitligist Energie Cottbus und Claus-Dieter Wollitz haben sich getrennt - auf Wunsch des Trainers. Der Klub sei der Bitte um Auflösung des Vertrages nachgekommen, bestätigten die Cottbuser Verantwortlichen. »Ich habe mir diese Entscheidung nicht leicht gemacht«, ließ Wollitz in einer ersten Stellungnahme gestern verlauten und gab zunächst nur allgemein »persönliche, sportliche und vor allem auch familiäre Gründe« an.

Der Abschied des 46-Jährigen kommt trotz der enttäuschenden Hinrunde mit Tabellenplatz neun und 14 Punkten Rückstand auf die Aufstiegsränge aus heiterem Himmel. Noch vor drei Wochen, vor dem 1:0-Erfolg seiner Cottbuser beim VfL Bochum, hatte er sich kämpferisch gegeben. »Ich werde dieses Gewitter überstehen und gestärkt aus der Situation hervorgehen. Genau wie die Mannschaft«, sagte Wollitz, der im Juni 2009 aus Osnabrück kam, wo seine Frau immer noch wohnt.

Anfang des Jahres hatte Wollitz seinen Vertrag bei Energie bis zum Sommer 2013 verlängert. Nach Platz sechs und dem Erreichen des Halbfinales im DFB-Pokal in der Vorsaison und einem guten Start in die Spielzeit mit vier Siegen aus fünf Spielen hinkte der selbst erklärte Aufstiegsaspirant den Ansprüchen hinterher. »Wir stehen im Niemandsland. Das ist einfach zu wenig«, konstatierte Wollitz nach dem jüngsten 0:1 im Ostduell gegen Union Berlin am vergangenen Wochenende, wiegelte aber kritische Fragen zu seiner Rolle ab. »Bis zum Sommer konzentriere ich mich nur auf Cottbus.«

Die sportliche Entwicklung wird den Trainer nicht zum Rückzug bewogen haben, hatte er sie doch so erwartet. Mehrfach hatte Wollitz, der früh von Präsident Ulrich Lepsch mit allen Kompetenzen im sportlichen Bereich betraut wurde, zu Beginn der Saison gewarnt, dass die abgewanderten offensiven Leistungsträger Nils Petersen, Jiayi Shao und Emil Jula kaum zu ersetzen seien. Füllen konnte er die Lücken trotz intensiver Bemühungen nicht. »Die vergangenen Monate haben in meiner Funktion als Cheftrainer mit Managementfunktion viel Kraft gekostet«, gab Wollitz nun als einen Grund für den Rücktritt an.

Der Präsident, der laut Wollitz immer hinter ihm gestanden habe, bedauerte die Entscheidung gestern. »Der Trainer hat unglaublich viel zum Positiven verändert, auf den Weg gebracht und angeschoben«, sagte Lepsch. Auch abseits des sportlichen Bereichs, den er mit der Konzentration auf junge nationale Talente nach und nach neu ausrichtete, hat Wollitz mit seiner Leidenschaft und dem Hang zu klaren Meinungsäußerungen dem Verein seinen Stempel aufgedrückt - so wie bei der scharfen Kritik an den eigenen Fans bei Ausschreitungen.

Wollitz' Co-Trainer Markus Feldhoff wird nun übernehmen, bis ein Nachfolger gefunden ist. Den zu suchen ist nicht einfach. »Attraktiver Fußball einer jungen Mannschaft und das Interesse von Topklubs an unseren Spielern sind eng mit seinem Namen verbunden«, sagte Lepsch über Wollitz.

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