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»Das Wasser stand bis zum Hals«

Schwere Schäden an den historischen Tempeln in Ayutthaya

  • Von Michael Lenz, Bangkok
  • Lesedauer: 3 Min.
Der liegende Buddha am Wat Lokayasutharam ruht auf weichem Grund.
Der liegende Buddha am Wat Lokayasutharam ruht auf weichem Grund.

Über Wat Phra Si Sanpeht liegt ein dezenter moderig-feuchter Geruch. Auf dem Boden um den alten Königspalast in Ayutthaya ist ein Netz von kleinen Rissen zu sehen, wie sie entstehen, wenn feuchte Erde schnell austrocknet. Wie aufgeweicht vom Jahrhunderthochwasser das Erdreich nur wenige Millimeter unter der Oberfläche noch ist, lässt sich an jenen Stellen erahnen, die im Schatten der hohen Bäume liegen, die selbst an der Oberfläche noch feucht sind.

Noch immer sind nicht alle Hochwassergebiete in Thailand wieder frei vom Wasser. Aber die historischen Tempel und Paläste auf einer Insel am Zusammenfluss von Chao Phraya, Pasak und Lopburi in Thailands ehemaliger Hauptstadt Ayutthaya sind schon wieder zugänglich. »Das Wasser stand uns bis zum Hals«, erzählt Pot, der mit seinem Tuk Tuk am Wat Phra Si Sanpeht vergeblich auf Touristen wartet, die er von Tempel zu Tempel im Geschichtspark von Ayutthaya fahren könnte. Auch die Souvenirhändler bleiben auf ihren Postkartenleporellos mit Bildern von Ayutthaya oder den Elefanten aus poliertem Holz sitzen. Die Ausflugsbusse aus dem 70 Kilometer entfernten Bangkok haben noch nicht wieder Kurs auf das mehr als drei Monate lang überschwemmte Ayutthaya genommen, das zwischen 1351 und seiner Eroberung und Zerstörung durch die Birmanen 1767 Hauptstadt des siamesischen Königreichs Ayutthaya sowie mit gut einer Million Einwohnern die größte Metropole Südostasiens war.

Eingesunkene Mauern

Statt Touristen nehmen in diesen Tagen Wasserexperten, Archäologen und Architekten der UNESCO mit thailändischen Wissenschaftlern die Tempel von Ayutthaya unter die Lupe. Über 100 der gut 400 Tempel und Paläste sind durch das Wasser beschädigt worden. Risse in den Wänden und eingesunkene Mauern sprechen eine deutliche Sprache: der vom wochenlangen Hochwasser aufgeweichte Boden kann die schweren Bauwerke nicht mehr tragen. »Die Tempel sind praktisch auf der grünen Wiese gebaut worden. Es gibt zwar so was wie eine Untergrundstruktur, aber eben keine soliden Fundamente«, sagt Dieter Schlenker, Leiter der »Abteilung für Informations- und Wissensmanagement« der UNESCO in Bangkok.

Gefährliche Salze

Das Problem ist nicht neu, so wie auch die Hochwasser während der jährlichen Regenzeit für die Inselstadt Ayutthaya seit Jahrhunderten normal sind. Jedoch waren Stadt und Tempel bis vor wenigen Jahrzehnten durch ein ausgeklügeltes, 500 Jahre altes Wassermanagementsystem geschützt. »Das ist heute durch die Zuschüttung und Überbauung von Kanälen, wie auch die Versiegelung der Böden sehr beeinträchtigt. Das alte Wassermanagementsystem und dessen Notwendigkeit sind aus ökonomischen Gründen vergessen und verdrängt worden«, so Schlenker.

Es wird Monate dauern, bis die genaue Zahl der beschädigten Bauwerke sowie eine präzise Auflistung der Schäden vorliegen. Regelrechte Sprengkraft bergen die Salze, die durch das Wasser in die Ziegelsteine von Tempelanlagen wie dem Wat Phra Ram oder den Sockel des gigantische 38 Meter langen liegenden Buddha des Wat Lokayasutharam eingedrungen sind. Erst wenn alle Daten vorliegen, kann ein Konzept zur Restaurierung erarbeitet werden. Die Regierung ist entschlossen, die für die Thais emotional und historisch bedeutsamen Tempel zu retten. Dabei kann sie sich auf internationale Hilfe verlassen. Die USA, Portugal und Deutschland haben bereits finanzielle Mittel zugesagt.

Zwischen den Tempeln kehren Arbeiterinnen zunächst aber den Unrat zusammen, der vom Hochwasser zurückgelassen wurde. Im Schatten der mächtigen Bäume laufen einige Hunde über die Umrandungsmauer des Wat Phra Si Sanpeht. Ab und an halten sie inne, setzen sich auf die Hinterläufe und schauen mit stolzem Blick über die reichlich schiefen Säulen, krummen Palastwände, kopflosen Buddhastatuen und die mächtigen weiß-grauen Stupas, als wollten sie sagen: das ist jetzt unser Reich.

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