Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Alfred Wellm

KALENDERBLATT

  • Von Martin Stolzenau
  • Lesedauer: 2 Min.

Er unterstützte nach den Erfahrungen mit dem Faschismus den sozialistischen Aufbau im Osten Deutschlands. Dennoch erregte Alfred Wellm (Foto: nd-Archiv) den Unmut der Bildungsministerin Margot Honecker.

Der Schriftsteller wurde am 22. August 1927 in Neukrug bei Elbing geboren. Sein Vater war Fischer und unterstützte das Bildungsinteresse seines Jungen. So konnte Wellm die Lehrerbildungsanstalt in der südostpreußischen Kleinstadt Mehlsack absolvieren, die heute zur polnischen Wojewodschaft Ermland-Masuren gehört. Danach musste er in Hitlers Krieg ziehen. Ab 1946 war er als Neulehrer in Brandenburg und in Mecklenburg tätig, wurde Schuldirektor und Schulrat und verfasste nebenbei erste Kinderbücher, in der er eigene Kindheitserlebnisse reflektierte.

1963 machte Wellm sein Hobby zum Beruf und ließ sich in Groß-Menow bei Fürstenberg im Havelland nieder. Nach »Kaule« sowie »Das Mädchen Heika« kam 1968 »Pause für Wanzka« heraus. Die Geschichte aus einer Mecklenburger Dorfschule brachte das Volksbildungsministerium in Bewegung. Margot Honecker setzte ein Verbot des Buches durch, auf ihre Weisung hin erschien in der »Deutschen Lehrerzeitung« ein Verriss. Das rief Walter Ulbricht auf den Plan, der seinem ambitionierten Nachfolgeanwärter wohl zeigen wollte, wer das letzte Wort hatte und mit einer Sondergenehmigung das Verbot aufhob. Das »Wanzka«-Buch, das eine »freie Entwicklung eines jeden Menschen« fordert, gehörte schnell zur »Bückware« in der DDR. Die Kampagne gegen das Buch hatte dessen Autor jedoch zeitweilig in Depressionen gestürzt; er übersiedelte ins Seengebiet zwischen Güstrow und Goldberg, wo er sich in einem Bauernhaus in Lohmen ein neues Refugium schuf, in dem er in aller Stille weitere Prosa schrieb.

Fast selbstquälerisch rang er sich den Roman »Pugowitza« ab, der mit autobiografischen Zügen von der Flucht aus Ostpreußen und vom Ende einer Kindheit sowie vom Neuanfang erzählt. In den 80er Jahren folgte der Roman »Morisco«, in dem ein Architekt sein angepasstes Leben Revue passieren lässt und sich Verrat an seinen einstigen Träumen eingesteht. Nach der Wende bezeichnete der Schriftsteller diese letzte Schöpfung als eine »vorweggenommene Wende-Geschichte«.

Alfred Wellm starb am 17. Dezember 2001.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln