Werbung

Total ausgebrannt

Feuerwehrgewerkschaft klagt über mangelndes Personal

  • Von Stefan Engelbrecht, dpa
  • Lesedauer: 2 Min.

Der Berliner Landesverband der Feuerwehr-Gewerkschaft fordert vom Senat mehr Unterstützung für die Rettungskräfte. »Die Feuerwehr ist in den vergangenen Jahren stark vernachlässigt worden«, sagte der stellvertretende Bundesvorsitzende und Sprecher des Landesverbandes, Micha Quäker, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Die Arbeitsbelastung habe in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Die Zahl der Einsätze sei seit 2005 um 20 Prozent gestiegen. »Mehr Personal gab es nicht«, sagte Quäker. Mindestens 150 neue Planstellen müssten geschaffen werden, um innerhalb der vorgegebenen Zeit von rund acht Minuten am Einsatzort zu sein.

Laut Quäker fällt es der Feuerwehr zunehmend schwer, innerhalb der vorgegebenen Zeit am Unfallort zu sein - und damit die vorgeschriebenen »Schutzziele« zu erfüllen. Um diesen Trend zu stoppen, müssten mehr Rettungsfahrzeuge angeschafft werden.

Im Durchschnitt brauchen die Rettungswagen der Feuerwehr im Notfall etwas länger als achteinhalb Minuten, bis sie am Einsatzort sind. Vorgabe des Landes ist es, in 75 Prozent der Einsätze nach 8,69 Minuten vor Ort zu sein. Eine Auslagerung dieser Sparte auf private Anbieter oder Hilfsorganisation für Berlin lehnte Quäker ab. »Der Rettungsdienst ist die einzige Sparte, die sich rechnerisch alleine trägt«, betonte er. Private Rettungsdienste könnten ihren Mitarbeitern meist noch nicht einmal den geplanten Mindestlohn zahlen, um wirtschaftlich zu arbeiten.

Quäker kündigte an, dass die Feuerwehr im kommenden Jahr verstärkt für Nachwuchs werben will. Dazu müsse der Beruf des Feuerwehrmannes aber attraktiver werden. Die Bezahlung für den gefährlichen Dienst sei in Berlin im Vergleich zum Bundesdurchschnitt »mit Abstand am schlechtesten«. Anfang 2010 habe es noch rund 1400 Bewerbungen für 65 Planstellen gegeben. In diesem Jahr seien es nur noch 700 gewesen. »Bald wird es nicht mehr genügend geeignete Bewerber geben«, sagte der Landesverbandssprecher. Einer der Gründe liege in der Verlängerung des sogenannten Vorbereitungsdienstes von einem auf zwei Jahre. In dieser Zeit bekämen die Anwärter nur rund 850 Euro. »Für einen Bewerber, der aus einem gelernten Beruf kommt und sich einen gewissen Lebensstandard aufgebaut hat, stellen diese zwei Jahre eine erhebliche finanzielle Herausforderung dar«, sagte Quäker und fügte hinzu: »In Hamburg ist der Job viel attraktiver«.

Grundsätzlich fordert die Gewerkschaft, dass die Feuerwehrleute in Berlin bei der Bezahlung den Polizeibeamten gleichgestellt werden. So sei es nicht nachvollziehbar, dass ein Polizist, der die gleiche Arbeit tut, in der Leitstelle eine Zulage bekomme, der Feuerwehrmann aber nicht.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!