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Weihnachtsgaben für Britanniens Beste

Eine nicht ganz ernst gemeinte Geschenkeschau

  • Von Ian King, London
  • Lesedauer: 3 Min.
Pünktlich zum Advent steht jedes Jahr mitten auf dem belebten Londoner Trafalgar Square ein stattlicher Weihnachtsbaum, vom dankbaren norwegischen Volk in Erinnerung an britische Hilfe während und nach der Nazi-Invasion 1940 gestiftet.

Auch in diesem Jahr haben die Norweger die Briten nicht vergessen. Und siehe da, unterm Baum liegen auch Geschenke vom dankbaren britischen Volk an seine Lieblinge. Was steckt wohl drin? Der nd-Korrespondent weiß es.

Premier David Cameron bekommt ein französisches Wörterbuch, denn der Arme hat auf der Eliteschule Eton offenbar keine Fremdsprachen gelernt. Damit kann er beim nächsten Fluch von Nicolas Sarkozy schauen, welche Gemeinheiten man ihm diesmal nachgesagt hat, und den Gegner mit französischen Bonmots überraschen, ihm gar durch übertriebene Freundschaftsbeteuerungen die Wiederwahl vermasseln. Denn jeder in England beliebte Franzose macht sich beim eigenen Volk suspekt. Und sollte Cameron damit wegen schlechter Aussprache keinen Erfolg haben, kann er noch immer seinem liberalen Stellvertreter Nick Clegg das Lexikon gegen den Kopf hauen.

Clegg selber ist im Gegensatz zu den meisten seiner Landsleute polyglott, kann Spanisch, Französisch und Niederländisch. Nur ein Wort ist ihm im Umgang mit dem Koalitionspartner in allen Sprachen unbekannt: No. Ihm wird eine OP geschenkt: eine Rückgratverpflanzung. Noch kostenlos im Rahmen des Nationalen Gesundheitsdienstes - aber nicht mehr lange, Tory-Gesundheitsminister Andrew Lansley will dort alles privatisieren und dann haben Patienten schlechte Karten.

Labours Oppositionsführer Ed Miliband hat zur Zeit miserable Umfragewerte und wird in der mehrheitlich konservativen Presse verlacht. Dabei hat er den Vorzug, nicht Tony Blair zu heißen und keine Angriffskriege geführt zu haben, sein Schattenkabinett steht auch geschlossen hinter ihm. Und seine Kandidatin Seema Malhotra hat gerade eine Nachwahl im Londoner Westen nahe beim Flughafen Heathrow gegen Konservative und Liberale glänzend gewonnen. So schlecht macht Miliband also seine Sache nicht, aber mehr Selbstvertrauen würde ihm nicht schaden. Zum Glück bekommt er den Bestseller »Wie man Freunde gewinnt und Leute beeinflusst« vom US-amerikanischen Lebensberater Dale Carnegie.

Wer aber ist der feiste Schottenrockträger mit dem Dauergrinsen? Alex Salmond, der Nationalistenpremier aus Edinburgh, der sein Land aus der Umarmung Britanniens befreien möchte und in einem Meer von Öl und Whiskysteuern wegschwimmen will. Der die schottische Parlamentswahl im Mai mit absoluter Mehrheit gewann und jetzt zwei neue, im Lande fast unbekannte Gegenspielerinnen an der Spitze von Labour und Konservativen vor sich hertreiben möchte. Dieser Mann hat schon alles, ein Riesen-Ego inbegriffen. Braucht nix, kriegt nix.

Und zuletzt der schwarzhaarige, sportliche Südländer, der griesgrämig in die Runde blickt, der kommt doch bekannt vor? Ach so, Signor Fabio Capello, italienischer Nationaltrainer der englischen Fußballnationalelf, sucht unterm Weihnachtsbaum nach Kickern, die den Ball ins Netz des Gegners schießen, statt nur zu foulen und Rote Karten zu sehen. Aber Fabio weint, denn die besten Spieler der englischen Premier League sind Spanier, Niederländer oder Afrikaner. Schade: Die englische Großmutter des Holländers Robin van Persie vom FC Arsenal, die ihren Enkel für Capellos Gurkentruppe spielberechtigt machen würde, gibt es so wenig wie den solidarischen europäischen Geist von David Cameron.

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