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Kein Frieden auf den Baustellen

In Großbritannien wehren sich Gewerkschaftsaktivisten weiter gegen verschlechterte Bedingungen

  • Von Christian Bunke
  • Lesedauer: 3 Min.
In der britischen Bauindustrie wird es dieses Jahr keinen Weihnachtsfrieden geben. Seit mehr als drei Monaten gibt es Massenproteste.

Auf den britischen Baustellen ist es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Konflikten gekommen, jetzt gibt es erstmals seit den 1970er Jahren wieder eine landesweite Streikbewegung: Wilde Streiks, Blockaden und zahlreiche Baustellenbesetzungen bestimmen das Bild. Auch am Mittwoch wurde in verschiedenen Städten demonstriert. In Glasgow versammelten sich Gewerkschafter vor der »Land Registry«, die einen weiteren Großauftrag an den umstrittenen »Balfour Beatty Konzern« vergeben hat.

Doch der Konzern steht nicht allein in der Kritik. Sieben große Baukonzerne wollen eine ganze Reihe von Verschlechterungen durchsetzen und vor dem Hintergrund einer sich verschlechternden Wirtschaftslage ihre Profite auf dem Rücken der Beschäftigten retten. Löhne sollen um bis zu 35 Prozent gesenkt werden, auch bei der Ausbildung soll gespart werden. Derzeit sehen sich besonders Elektriker am Bau mit der Drohung konfrontiert: »unterschreibt den neuen Vertrag oder werdet gefeuert«. Doch statt zu unterschreiben, gab es während der vergangenen 18 Wochen jeden Mittwoch Proteste.

Nachdem sie sich lange zurückgehalten hat, verhandelt die Gewerkschaft UNITE mittlerweile. So gab es am 15. Dezember ein Treffen zwischen der Gewerkschaft und den Bauunternehmen. Ein schwieriges Treffen für UNITE-Vertreter, denn auf der Unternehmerseite trafen sie zwei ehemalige Gewerkschaftsfunktionäre wieder, die ihre Posten aufgeben mussten, weil sie an der Implementierung der schwarzen Liste beteiligt waren, von der Tausende Gewerkschafter betroffen sind. Die Liste belegt bekannte Aktivisten mit einem Berufsverbot in der Bauindustrie. Die in der Branche aktiven Gewerkschaften werden durch Hauptamtliche dominiert, die oftmals mit den Unternehmern zusammenarbeiten, ihnen Details von »Unruhestiftern« zuschieben und die Organisierung verhindern. Aus diesem Grund haben sich zahlreiche Aktivisten von der Gewerkschaft abgewandt. So werden die derzeitigen Streiks vom im August gegründeten »Rank and File-Komitee« organisiert. Die Aktivisten hatten zunächst versucht, über ihre Gewerkschaft einen Streik zu organisieren, wurden aber nach eigenen Angaben von den Hauptamtlichen gestoppt. Jetzt sieht sich UNITE gezwungen nachzuziehen - ein Erfolg der Kampagne. Derzeit fordert das Komitee die Gewerkschaft auf, nicht mehr an Schlichtungen teilzunehmen, bis die Unternehmen auf die ehemaligen Gewerkschaftsfunktionäre verzichten.

Auch die Justiz macht es den Elektrikern schwer. Als UNITE im Herbst eine Urabstimmung beim Balfour Beatty Konzern durchführte, stimmten 80 Prozent der Befragten für einen Streik. Ein Gericht erklärte die Abstimmung jedoch für illegal, da nicht alle Wahlberechtigten befragt worden seien. Dahinter steht die Tatsache, dass Unternehmen Beschäftigte zwischen den Baustellen hin- und her schieben und so genaue Listen erschweren. Jetzt wird die Urabstimmung wiederholt. Das Unternehmen will nun erneut kurzfristig Beschäftigte zwischen den Baustellen transferieren, um eine »legale« Urabstimmung wieder unmöglich zu machen.

Das »Rank and File Komitee« setzt deshalb weiter auf eigene Mobilisierungen. Am Samstag besetzten Elektriker das Rundfunkgebäude der BBC in Schottland. Sie protestierten damit gegen das Schweigen der britischen Medienlandschaft zum Konflikt.

Derweil bricht immerhin das Eis zwischen dem Komitee und der Gewerkschaft. Am 4. Januar soll es das erste Treffen mit UNITE-Generalsekretär McLuskey geben. Der nächste große Aktionstag ist für den 9. Januar geplant.

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