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Aufstand der Punks

Polizeigewalt in Indonesien gegen Jugendliche sorgt weltweit für Empörung

Das Schicksal von 64 Punks in der indonesischen Provinz Aceh gibt Anlass zur Sorge. Die Punks waren am Freitag vor Weihnachten aus einem Umerziehungslager der Polizei in Indonesiens islamischster Provinz entlassen worden.

Was seit dem aus den Jugendlichen geworden ist, ist unbekannt. Ein Interview mit dem Polizeichef von Aceh lässt aber nichts Gutes ahnen. »Wenn einer von denen seine Ohrringlöcher und andere große Piercinglöcher schließen lassen will, dann machen wir das ... Wir haben auch die Absicht denen zu helfen, die ihre Tätowierungen entfernen lassen wollen«, verkündete Polizeigeneral Iskandar Hasan in einem ausführlichen Interview mit der Tageszeitung Jakarta Globe.

Punks sind für den obersten Polizisten von Aceh »Müll«, »unislamisch« und Menschen mit einem »kranken Lebensstil«. Über mangelnde Unterstützung bei seinem Krieg gegen die Punks kann der General nicht klagen. Illiza Sa’aduddin Djamal, zweiter Bürgermeister von Banda Aceh, diffamiert Punks als »gesellschaftliche Krankheit« und Tengku Mukhtar Syafar, Vorsitzender einer Vereinigung islamischer Kleriker, sieht durch die rebellischen Jugendlichen die Scharia, das religiöse Gesetz, gefährdet.

Was ist geschehen? Am 10. Dezember löste die Polizei ein Punkkonzert in Banda Aceh auf. 64 junge Punker und Punkerinnen wurden ohne Haftbefehl und richterlichen Beschluss in einer Polizeikaserne interniert. Man rasierte ihnen die Schädel kahl, unterzog sie abwechselnd militärischem Drill und muslimischen Gebetszwang. Auch wurden die Punker in Wasserbasins gesteckt - eine Praxis, die an die Foltertechnik des sogenannten Waterboardings erinnert. Eine Verletzung der Menschenrechte kann Polizeigeneral Iskandar Hasan in der Behandlung der Punks aber nicht sehen. Im Gegenteil. Über die Wasserfolter sagt der Polizist: »Die sind einfach nur glücklich, weil es lange her war, dass sie ein Bad genommen hatten.«

In Indonesien, aber auch weltweit, hat die Polizeigewalt gegen die Punks von Aceh für Proteste gesorgt. In großen Städten wie Bandung gingen die jungen Leute mit Piercings, dunklen Klamotten und grell gefärbten Irokesenfrisuren für ihre Genossen in Aceh auf die Straße. Unter dem Motto »Vereinte Solidarität mit den Punks von Aceh« demonstrierten hunderte Punks in Jakarta vor dem Hauptquartier der indonesischen Polizei für das Recht, ihre »Kultur« unbehelligt leben zu können. In Moskau sprühten Anarchopunks Graffitibotschaften wie »Punk is not Crime« und »Religion = Faschismus« auf die Mauern der indonesischen Botschaft.In den USA gingen Punks für ihre indonesischen Freunde auf die Straße.

Das harte Vorgehen gegen die Punks ist der jüngste Versuch der islamischen Behörden Acehs, ihre Vorstellungen von Moral gewaltsam durchzusetzen. Aceh genießt eine weitgehende Autonomie als Teil des Friedensabkommen, dass Indonesiens Regierung mit der Bewegung Freies Aceh (GAM) im Sommer 2005, ein halbes Jahr nach dem verheerenden Tsunami, geschlossen hatte. Bereits 2001 hatte Indonesiens Regierung die Einführung der islamischen Scharia in Aceh gestattet - in der Hoffnung, der GAM so den Wind aus den Segeln zu nehmen.

In Aceh will die Polizei auch in Zukunft den Punks das Leben schwer machen. Punks, so ein Polizeisprecher gegenüber indonesischen Medien, stehen im Widerspruch zu den Lehren des Islam.

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