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Opfer bringen

  • Von Geesa von Leesen
  • Lesedauer: 2 Min.

»Her mit Eurem Geld!« So muss man wohl die Schlecker-Forderung »aktiver Beitrag der Beschäftigten« übersetzen. Mit 9,07 Euro steigen ungelernte Verkäuferinnen bei Schlecker ein, gelernte mit 10,66 Euro. Nach vier Jahren kann frau auf 13,52 Euro kommen. Dieser Stundenlohn steigt dann nicht mehr besonders an, bis nach sechs Jahren Schluss ist. Brutto kommen Verkäuferinnen so auf 1500 bis 2000 Euro im Monat. Reich wird man damit nie, reich geworden sind nur die Schleckers.

2009 erschien Anton Schlecker mit geschätzten 3,6 Milliarden Euro Vermögen auf Platz zehn der reichsten Menschen Deutschlands. Im vorigen Jahr lag der Firmengründer mit 3,1 Milliarden Dollar auf Rang 26. An Geldmangel leidet Schlecker also nicht. Vielmehr mangelt es an einer Unternehmensstrategie, die mehr bietet als den Slogan »For you. Vor Ort«, der zu Recht öffentlich durch den Kakao gezogen wurde. Schlecker-Läden sind rummelig, ganz egal ob sie zu AS-Schlecker oder zu XXL-Schlecker gehören. Die häufigen Lücken in den Regalen unterstützen den ungepflegten Eindruck noch. Und Geschichten wie die von den überfallartigen Filialschließungen dürften das Vertrauen der Kunden in Schlecker nicht gerade erhöhen. Dass die Drogeriekette »Ihr Platz«, die ebenfalls Schlecker gehört, komplett tariffrei ist, deutet auch nicht auf ein echtes Umdenken hin zu fairem Umgang mit Beschäftigten hin. Das Image von Schlecker bleibt schlecht.

Ver.di wird höllisch aufpassen müssen, damit bei den Verhandlungen zum Sanierungstarifvertrag die Beschäftigten nicht über den Tisch gezogen werden. Zunächst sollte die Eigentümerfamilie, die seit Jahrzehnten mehr als gut von der Arbeit ihrer Beschäftigten lebt, Opfer bringen. Erfahrungsgemäß wird das Unternehmen von den Beschäftigten etwas fordern wie Verzicht aufs Weihnachtsgeld oder länger unbezahlt arbeiten. Mehr Fantasie entwickeln Firmen leider selten. Falls ver.di nicht umhin kommt, auch Opfer der Belegschaft zu bringen, dürfen die nicht zu hoch sein. Weder Gewerkschaft noch Gesellschaft können schließlich ein Interesse daran haben, dass Unternehmen nur dann überleben, wenn sie (noch) niedrigere Löhne als die Konkurrenz zahlen. Das würde nur die Lohnspirale nach unten antreiben.

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