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Schlecker will verhandeln

Die Drogeriekette fordert Opfer der Belegschaft, um aus den roten Zahlen herauszukommen

  • Von Gesa von Leesen
  • Lesedauer: 3 Min.
Der Drogeriekette Schlecker geht es offensichtlich nicht gut. Hunderte Filialen sind in diesem Jahr geschlossen worden, kurz vor Weihnachten fragte der Handelsriese nun bei der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di an, ob man nicht einen Sanierungstarifvertrag verhandeln könnte.

In einer Pressemitteilung von Schlecker heißt es, im Rahmen des Restrukturierungsprogrammes »Fit for Future« benötige man »einen aktiven Beitrag der Belegschaft«. Das bedeutet auf gut deutsch: Die Beschäftigten sollen finanzielle Opfer bringen. Von ver.di heißt es dazu, man diskutiere zunächst einmal mit den Betriebsräten und Beschäftigten, wie sie die Lage sehen. Im Januar werde man entscheiden, ob man in Gespräche mit Schlecker eintrete, so ver.di-Sprecher Christoph Schmitz. Unweigerliche Voraussetzung für Verhandlungen sei, dass Schlecker seine Bücher offen legt. Das habe Schlecker bereits grundsätzlich zugesagt. »Uns geht es in jedem Fall um die Zukunft der Beschäftigten«, sagt Stefanie Nutzenberger, im ver.di-Bundesvorstand für den Handel zuständig.

Die Mitarbeiter - in den Schlecker-Filialen in erster Linie Frauen - stehen derzeit unter Druck. Obwohl es einen Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung mit ver.di gibt, der bis Mitte 2012 Kündigungen ausschließt, hat die Handelskette in den vergangenen Monaten ständig versucht, Verkäuferinnen aus dem Unternehmen zu drängen. So sieht es jedenfalls Bernd Riexinger. Er ist Chef von ver.di Stuttgart und zuständig für den Handel. »Überfallartig« seien in den vergangenen Wochen und Monaten Schlecker-Filialen dicht gemacht worden. »Am Mittag wurde mitgeteilt, dass ab dem nächsten Tag geschlossen ist«, so Riexinger. Anschließend hätte man die Beschäftigten vor die Alternativ gestellt, entweder woanders zu arbeiten oder als Springer eingesetzt zu werden oder zu gehen. Riexinger: »Offensichtlich hoffte man, dass einzelne überrumpelt sind und sich entschließen zu gehen, weil sie aus familiären Gründen nicht woanders arbeiten können.« Zum Glück seien die meisten Kolleginnen nicht darauf reingefallen, sondern hätten sich an die Gewerkschaft oder an ihren Betriebsrat gewandt.

Dass Schlecker-Filialen dicht gemacht werden, ist durchaus bekannt. »Offiziell war von 800 Schließungen in diesem Jahr die Rede«, sagt ver.di-Sprecher Schmitz. »Wir gehen davon aus, dass das im kommenden Jahr weiter geht.« Damit die Hau-Ruck-Schließungen aufhören, hat ver.di im Dezember mit der Geschäftsführung von Schlecker gesprochen. Schmitz: »Man hat uns zugesagt, diese Methode abzustellen.« Künftig sollen die zuständigen Betriebsräte - und die gebe es inzwischen relativ flächendeckend bei Schlecker - rechtzeitig vor einer Filialschließung informiert werden.

Die Schließungen gehören zum Restrukturierungsprogramm des Unternehmens. Das schreibt nach eigenen Angaben seit zwei Jahren rote Zahlen. In diesem Jahr soll Schlecker erstmals vom Konkurrenten dm überrundet worden sein und muss wohl seinen Spitzenplatz unter den Drogerieketten abgeben. Doch wie Schlecker aus dem Tief raus will, ist zumindest bei ver.di nicht klar. Riexinger fordert: »Die müssen jetzt mal einen Plan vorlegen, wo sie eigentlich hin wollen.« Offensichtlich habe das Unternehmen mit Sitz im schwäbischen Ehingen zudem ein Logistikproblem. Regale sind über weite Strecken leer, Ware wird nicht geliefert. Eine Mitarbeiterin, die ihren Namen nicht genannt sehen möchte, kann sich vorstellen, dass dahinter sogar Methode steckt. »Wenn Ware fehlt - Zigaretten, Getränke - sind die Kunden sauer und gehen zu dm oder so. Vielleicht will Schlecker unsere Läden ja auf diese Weise in die Schließung führen, um so altgediente Kolleginnen loswerden. Die sind schließlich teurer als die Jüngeren.«

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