Frau Murakami verliert die Geduld

Im japanischen Tsunamigebiet kommt der Wiederaufbau nur schleppend voran

  • Von Susanne Steffen, Tokio
  • Lesedauer: ca. 6.5 Min.

Japans Nordosten traf am 11. März dieses Jahres eine dreifache Katastrophe: Erdbeben, Tsunami und GAU im Atomkraftwerk Fukushima. Letzterer beschäftigte die Weltöffentlichkeit in den folgenden Monaten immer wieder. Doch auch die Folgen von Erdbeben und Tsunami sind längst nicht überwunden. Vielerorts ist nicht einmal sicher, ob Zerstörtes wieder aufgebaut wird. Und nun kommt erst mal der kalte Winter.

Spätestens im nächsten Sommer müsse das provisorische Leben ein Ende haben, sagt Yoko Murakami und hebt den Teddy auf, den ihre einjährige Tochter Yuiko auf den Schotterboden vor ihrem Wohncontainer fallen lassen hat. Dicht an dicht drängen sich winzige Containerhäuschen auf dem Hof der Mittelschule von Rikuzentakata, einem kleinen Ort im Nordosten Japans, mitten in dem mehrere Hundert Kilometer langen Küstenstreifen, der Mitte März vom »Jahrtausend-Tsunami« zerstört wurde.

Viele Bewohner des Containerlagers, die meisten von ihnen seit der Katastrophe arbeitslos, sitzen auf den Stufen vor ihren Türen und starren auf die graue Siedlung. »Die Enge ist bedrückend«, sagt die 35-jährige Murakami. Die ganze Familie ist in einem kleinen Raum eingepfercht. Nachts weinen die Kinder seit dem Erdbeben viel. Vor allem die kleine Yuiko ist manchmal gar nicht zu beruhigen. Die fünfjährige Sayako traut sich nichts mehr zu, will nichts Neues auspro...

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