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Eine Festhalle fest in Bürgerhand

In Annaberg-Buchholz haben Bürger eine Genossenschaft gegründet, um ein Veranstaltungszentrum in der Stadt wiederzubeleben

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Eine Festhalle, deren Betrieb sich die Stadt Annaberg-Buchholz nicht mehr leisten konnte, soll von einer Genossenschaft wiederbelebt werden.
Thomas Schubert mit der Bauzeichnung des Hauses
Thomas Schubert mit der Bauzeichnung des Hauses

Wer die Festhalle Annaberg-Buch-holz betritt, der spürt den Charme verflossener Zeiten. Die Flügel der Metalltüren sind mit Reliefs verziert, die Bergarbeiter und Tannen zeigen. Eine alte Bar ist mit dunklem Holz verkleidet. Von der Decke hängen imposante Glaslüster im Stil der 1980er Jahre. In jener Zeit, sagt Unternehmensberater Thomas Schubert, sei die Festhalle »sehr nobel« eingerichtet gewesen. In der Erzgebirgsstadt gehörte das Haus für Konzerte und Feste zu den allerersten Adressen.

Derzeit ist es eine große Baustelle. In der früheren Großküche werden Lüftungsanlagen eingebaut, im Foyer ziehen Bauarbeiter Wände hoch. Die Arbeiten sind das Vorspiel für die Wiedererweckung. Seit 1997 war die Halle verwaist; ihr Betrieb hatte sich für die Stadt nicht mehr gerechnet. 15 Jahre später kehrt das Leben zurück. Im Frühjahr soll die Halle wiedereröffnet werden; zuvor wird ein großer Klöppelkongress beherbergt.

Der Anstoß dafür, das 1908 errichtete, zuletzt aber heruntergekommene Gebäude zu sanieren, kam von Bürgern. »Es gab den starken Wunsch nach Wiederbelebung«, sagt Schubert. Allerdings hatte es weder Stadt noch Landkreis danach gedrängt, ein Veranstaltungszentrum zu betreiben; zu zahlreich sind die Beispiele dafür, dass Kommunen immer neues Geld in solche Einrichtungen stecken müssen. In der Bürgerschaft entstand daher eine andere Idee: die Gründung einer Genossenschaft. So, sagt Vorstandsmitglied Schubert, wolle man »die Energien vieler Beteiligter bündeln«. Zugleich handle es sich um ein Modell, bei dem »nicht zuerst an den Ertrag gedacht werden muss«.

Genossenschaften haben gerade in Sachsen lange Tradition: Vor 162 Jahren gründeten Handwerker in Delitzsch einen ersten derartigen Zusammenschluss, um die Kräfte beim Einkauf von Waren zu bündeln. In Genossenschaften arbeiten heute Winzer, Augenärzte und Friseure. Große Molkereien oder Sportartikelhändler sind so organisiert. Eine Genossenschaft wie in Annaberg-Buchholz, in der Bürger eine einst städtische Einrichtung betreiben, ist noch die Ausnahme. Das Modell habe aber Zukunft, glaubt Dietmar Berger, Verbandschef des Mitteldeutschen Genossenschaftsverbandes. Wenn Städte aus Geldmangel die Schließung von Kulturhäusern und Bädern erwägen, seien »Genossenschaften eine gute Alternative«.

In Annaberg-Buchholz waren es zunächst 22 Enthusiasten, die Konzepte für den Betrieb der neuen Festhalle entwickelten - und Geld für deren Umsetzung beisteuerten: Einen Anteil von mindestens 2000 Euro muss erwerben, wer in der Genossenschaft mitarbeiten will. Inzwischen ist die Zahl der Mitglieder auf 55 angewachsen, darunter Bürgermeisterin Barbara Klepsch, Steffen Flath, der CDU-Fraktionschef im sächsischen Landtag, aber auch etliche Unternehmer, ein Architekt sowie der in Kulmbach gebürtige Vorstand einer örtlichen Bank.

Der Manager lud die Mitstreiter in seine bayerische Heimat ein, wo eine Brauereigenossenschaft besichtigt wurde - eine inspirierende Reise. Schließlich will die Genossenschaft in der Festhalle, für deren Betrieb sie vom Stadtrat kürzlich den Zuschlag erhielt, nicht nur Konzerte, Tagungen und Feiern stattfinden lassen. Neu errichtet wird auch ein Restaurant samt Schaubrauerei. Dort, sagt Schubert, soll ein Großteil des Umsatzes erwirtschaftet werden, ohne den auch eine Genossenschaft das Haus nicht betreiben kann.

Noch wird freilich gebaut - auf Kosten der Stadt, die 1,65 Millionen Euro in den Umbau steckt und das Projekt nach Kräften unterstützt. Den Betrieb der Halle wird die Genossenschaft allein bewältigen müssen. Das Vorhaben sei »nicht ohne Risiko«, gesteht Schubert. Zugleich ist die Vorfreude der Bürger groß. Seit Kurzem werden Stühle in der Halle mit bis zu 1150 Plätzen symbolisch verkauft. Die Nachfrage, heißt es, sei sehr rege.

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