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Das Geheimnis in den Kisten

Milena Magnani: »Der gerettete Zirkus«

Branko Hrabal liegt ermordet in der Einsamkeit der Nacht. Nach nur 30 Jahren fand sein Leben ein jähes Ende in einem Lager am Rande einer unbekannten italienischen Stadt. Zwischen Zubringerstraßen und verlassenen Fabriken haben sich Roma aus diversen Ländern Südosteuropas hier niedergelassen. Neben ein paar Chemieklos trotzen sie in provisorischen Behausungen der Nässe und Kälte. Längst wissen sie, dass dieser Ort nicht nur vorübergehend ihre Bleibe sein wird und fügen sich in dessen Mikrokosmos aus Ausbeutung, Kriminalität und Gewalt.

Auch Branko, der Ungar, landet hier und wird von den anderen misstrauisch beäugt, da er mit einem Wagen voller Kisten unbekannten Inhalts anrückt. Die Kinder wittern ein Geheimnis, das sie ergründen wollen. So entwickelt sich langsam eine Freundschaft zwischen dem verschlossenen Mann und den Kindern. Begeistert verstecken diese die Kisten in einer verfallenen Fabrik, als sie hören, dass sich darin ein ganzer Zirkus verbirgt.

Sein Geheimnis gibt Branko aber nur widerstrebend preis, denn damit ist die schmerzhafte Geschichte seiner Familie verbunden: seines Großvaters, der den Zirkus und die Artisten vor den Nazis retten will, aber im KZ umkommt; seines Vaters, der in ein »normales Leben« flüchtet; seiner selbst, der erst als Mann von seiner Herkunft erfährt und Vergeltung sucht …

Sehr leise, poetisch, wenn auch mitunter etwas langatmig gelingt es Milena Magnani, in ihrem Roman eine Verbindung herzustellen zwischen rassistischer Ausgrenzung einst und jetzt, aber zugleich mit dem Zirkus auch einen Hoffnungsstrahl in der Düsternis aufblitzen zu lassen.

Milena Magnani: Der gerettete Zirkus. Roman. Aus dem Italienischen von Maja Pflug. Edition Nautilus. 192 S., brosch., 18,90 €.

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