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Blick in den Rückspiegel

Kommentar von Gabriele Oertel

Es hatte was Symbolisches. Patrick Döring, der designierte FDP-Generalsekretär, der unmittelbar nach den ihm angekündigten Weihen seine heftig angeschlagene Partei aufgerufen hatte, jetzt aber endlich nach vorne zu schauen, musste sich als erste Amtshandlung mit einem von ihm abgefahrenen Rückspiegel beschäftigen. Dass dies nicht sein letzter Blick nach hinten bleiben würde, haben die Freidemokraten jetzt erfahren dürfen. Zwei Tage vorm Dreikönigstreffen hat der bekennende Freund klarer Worte allerdings nicht nur seinen Amtsvorgänger Christian Lindner für dessen unerwarteten Rücktritt tüchtig abgewatscht. Er hat seinem Parteichef, als dessen enger Vertrauter er bislang galt, gleichzeitig einen ganz und gar nicht liberalen Freundschaftsdienst erwiesen.

Kein Kämpfer, sondern Wegmoderierer sei Rösler, noch dazu dünnhäutig, erklärte Döring in beispielloser Einfalt. Denn selbst wenn er, wie kurz nach den ersten Irritationen über derlei Äußerungen in den eigenen Reihen nachgeschoben, eigentlich nur die unterschiedliche Tonalität in der FDP charakterisieren wollte - wer den Politikbetrieb kennt, weiß um die vernichtende Wirkung solcher Einschätzungen. So gesehen kann sich der glücklose FDP-Vorsitzende seine Reise nach Stuttgart eigentlich sparen. So sehr er sich auch Mühe geben sollte: Aufbruch, Signal, Neuanfang, klare Richtung - das können die Seinen von einem Warmduscher kaum erwarten. Und womöglich bleibt Döring ob seines kalten Gusses, so sehr er den Wiederaufstieg der FDP in drei Etappen zwischen Dreikönig, April-Parteitag und Landtagswahl in Schleswig-Holstein propagiert, bald nur der Rückblick auf die Zeit, da er beinahe »General« geworden wäre.

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