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49 Verletzte beim Hallen-Cup

Nach den Krawallen beim Hamburger Schweinske-Cup läuft die Suche nach Tätern und Ursachen

  • Von Jan Reinold, SID
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die Ausschreitungen mit zahlreichen Verletzten beim Schweinske-Cup in Hamburg lassen Fassungslosigkeit über die anhaltende Gewalt im Fußball zurück. Während dem Traditionsturnier das Aus droht, reagiert die Politik mit ersten Forderungen nach mehr Härte - und finanziellen Folgen.

Geplant war es als Familien- und Fußballfest - geendet hat es im »Fußball-Krieg«, wie die Hamburger Morgenpost schrieb. Statt Budenzauber bekamen die mehr als 2500 Zuschauer beim 26. Hamburger Hallenturnier um den Schweinske-Cup am vergangenen Freitagabend Chaos und Krawall zu sehen. Was neben der Bilanz von mindestens 49 Verletzten und 74 Ingewahrsamnahmen bleibt, ist die ernüchternde Erkenntnis, dass gewaltbereiten Fans jede Bühne recht ist.

»Es ist eine Schande, dass so etwas passieren konnte«, sagte ein mitgenommener Turnier-Veranstalter Wolfgang Engelmann. »Das war in meinen Augen organisierte Kriminalität. Wir haben eine Entwicklung bei den Fußballfans, die ist grausam.«

Die schlimmsen Auseinandersetzungen in der Alsterdorfer Sporthalle begannen ausgerechnet beim Spiel der Charity-Mannschaft »Respect United« (!) gegen den dänischen Klub FC Nordsjælland. Der Auftakt zur Randale erfolgte aber bereits vor Turnierbeginn, als sich gegen 17.30 Uhr Anhänger des Nord-Regionalligisten VfB Lübeck mit denen des Zweitligisten und Titelverteidigers FC St. Pauli vor der Halle prügelten. Auch aus Lübeck angereiste Fans des Hamburger SV mischten anscheinend mit, genauso auch mehrere Personen, die bundesweites Stadionverbot haben.

Weiter ging es dann in der Halle, als Lübecker Anhänger St.-Pauli-Fahnen stahlen. Die Polizei war stundenlang im Einsatz, ging mit Pfefferspray und Schlagstöcken gegen die Randalierer vor. Mehr als 300 Beamte waren vor Ort beim »massiven Kräfteeinsatz«, so Einsatzleiter Robert Golz. Drei von ihnen mussten anschließend ambulant im Krankenhaus behandelt werden.

Wer Täter und Opfer waren und ob die Randale geplant war, ist noch nicht klar. Die Polizei verwies auf laufende Ermittlungen. Engelmanns Ausspruch von der »organisierten Kriminalität« sei aber »Quatsch«, so ein Polizeisprecher. Es gebe derzeit keine Hinweise auf eine geplante Aktion.

Lübecks Fanbeauftragter Horst Jahnke, der laut eigener Aussage am Freitag nicht persönlich vor Ort war, war nicht zu einer ausführlichen Stellungnahme bereit und sagte am Sonntag lediglich, dass er »Gewalt sowieso ablehne«. Ansonsten könne und wolle er nichts sagen. St. Paulis Pressesprecher Christian Bönig betonte, es sei nach bisher vorliegenden Erkenntnissen »Fakt«, dass »unsere Fans nicht angefangen haben«. »Sie sind von anderen Fanlagern provoziert worden. Unsere Fans haben sich gewehrt. Es gab kein Ansinnen, Randale zu machen«, sagte Bönig.

Wahrscheinlich aber muss man einigen - aus welchen Fanlagern auch immer - aber doch Absicht unterstellen. Dass in die Randale auch Fans des Hamburger SV verwickelt waren, deutet darauf hin, dass eben nicht alle nur zum Fußballgucken angereist waren. Denn der HSV hatte seine Teilnahme im Vorfeld abgesagt. Aufgrund von Sicherheitsbedenken.

Im Nachhinein eine weise Entscheidung, denn das Ausmaß der Krawalle war so groß, dass der zweite Turniertag zum ersten Mal in der 25-jährigen Geschichte der erstmals 1987 als Ratsherrn-Cup ausgetragenen Veranstaltung abgesagt wurde. Damit aber nicht genug. Dem Turnier droht das Aus.

Es werde schwer, in Zukunft noch Sponsoren zu finden, teilten der Hamburger Fußball-Verband (HFV) und auch der Turniersponsor Schweinske unisono in ersten Stellungnahmen mit. Und während die Polizei den bisherigen Austragungsort als nicht angemessen kritisierte, forderte HFV-Präsident Dirk Fischer eine rigorose Bestrafung der Täter: »Man darf diese gefährlichen Straftaten nicht verharmlosen.«

In dieselbe Kerbe schlug auch die Politik, die sich umgehend zu Wort meldete. »Wir müssen aktiv und massiv gegen solche Auswüchse beim Fußball vorgehen«, wird Schleswig-Holsteins Innenminister Klaus Schlie in den Lübecker Nachrichten zitiert. Die bisherigen Sanktionen seien »zu weich«. Er wolle sich bei seinen Innenministerkollegen dafür einsetzen, »dass künftig 50 Cent auf jedes Ticket eines Profispiels aufgeschlagen werden, um die Aufklärungs- und Präventionsarbeit in der Fußballszene zu finanzieren«.

Die Dummheit einiger »Unbelehrbarer«, wie der VfB Lübeck die Randalierer auf seiner Vereinshomepage bezeichnete, könnte nun alle Fußballfans teuer zu stehen kommen.

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