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Ökonomische Sterbehilfe

Von Robert Kurz

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In der Ideologie der Volkswirtschaftslehre ist Geld ein ausgeklügeltes Hilfsmittel, um die Gesellschaft optimal mit materiellen Gütern und sozialen Dienstleistungen zu versorgen. Marx dagegen hat gezeigt, dass Geld als Medium der Kapitalverwertung ein fetischistischer Selbstzweck ist, der die Befriedigung der konkreten Bedürfnisse unterjocht hat. Reale Güter werden nur hergestellt, wenn sie diesem Selbstzweck dienen. Besonders deutlich wird das in Bereichen wie der Altersversorgung und des Gesundheitswesens, die selber keine Träger von Kapitalverwertung sind, sondern aus deren Löhnen und Gewinnen finanziert werden müssen. Rein sachlich wären genügend Ressourcen vorhanden, um eine Bevölkerung auch bei wachsendem Anteil von Nicht-Erwerbstätigen mit Lebensmitteln und medizinischer Betreuung zu versorgen. Aber unter dem Diktat des Geldfetischs wird diese Möglichkeit »unfinanzierbar«.

Alters- und Krankenversicherung werden »ökonomisiert«. Sie müssen sie selber nach betriebswirtschaftlichen Kriterien agieren, um an den Geldströmen teilhaben zu können. Sogar die medizinische Diagnose wird zur Ware, die unter Konkurrenzdruck steht. Nicht Gesundheit und Wohlbefinden sind das Ziel, sondern das Doping zur »Leistungsfähigkeit« einerseits und die Verwaltung der Krankheit andererseits. Der ideale Mensch im Sinne der herrschenden Institutionen wäre ein Olympiakämpfer am Arbeitsplatz (um das Sozialprodukt zu steigern), der gleichzeitig als chronisch krank definiert werden kann (um die Kassen des Gesundheitswesens zu füllen) und der pünktlich mit Eintritt ins Rentenalter freiwillig den Löffel abgibt (um dem Kapitalismus nicht zur Last zu fallen).

Dieser famosen Rechnung hat die medizinische Wissenschaft selber einen Strich durch die Rechnung gemacht. Sie war so erfolgreich, dass immer mehr Menschen weit über das Erwerbsalter hinaus leben. Das ist ein besonders deutliches Beispiel dafür, dass die von der Konkurrenz erzwungene Produktivkraftentwicklung nicht mehr mit der kapitalistischen Logik vereinbar ist. Der »stumme Zwang der Verhältnisse« (Marx) erzeugt daher eine Tendenz, die medizinischen Errungenschaften irgendwie zunichte zu machen.

Präventiv wirkt die Erzeugung künstlicher Armut. So ist in Deutschland die Lebenserwartung von Geringverdienern seit 2001 von 77,5 auf 75,5 Jahre gesunken. Wer trotz Vollzeitarbeit mit Leistungshetze nicht genug Geld für das Existenzminimum verdient, ist im Alter so ausgelaugt, dass er die medizinischen Möglichkeiten gar nicht mehr ausschöpfen kann. Aber auch die Versorgung selbst wird nach Maßgabe der Zahlungsfähigkeit zunehmend zurückgefahren. Weil die griechischen Krankenhäuser faktisch bankrott sind, haben Pharmakonzerne die Lieferung von Medikamenten für Krebs, Aids und Hepatitis eingestellt; auch die Versorgung mit Insulin wurde unterbrochen. Das ist kein Sonderfall, sondern das Bild der Zukunft. Zumindest den armen und »überflüssigen«, nicht mehr kapitalistisch verwendungsfähigen Kranken wird signalisiert werden, was einst der Preußenkönig Friedrich seinen vom Schlachtfeld fliehenden Soldaten zugebrüllt hat: »Hunde, wollt ihr ewig leben?«

In der wöchentlichen nd-Wirtschaftskolumne erläutern der Philosoph Robert Kurz, der Ökonom Harry Nick, die Wirtschaftsexpertin Christa Luft und der Wirtschaftsprofessor Rudolf Hickel Hintergründe aktueller Vorgänge.

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