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Koffer des Mörders und Mantel des Toten

Das Kriminalgericht Moabit birgt Deutschlands größte Asservatenkammer

  • Von Cornelia Herold, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.

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Das älteste Stück der Asservatenkammer ist ein Mantel aus einem Mordfall im Jahr 1951. Der Täter ist unbekannt, vielleicht ist er längst tot. Doch solange der Fall nicht aufgeklärt ist, wird das Kleidungsstück des Opfers verwahrt. Denn Mord verjährt nie.

Etliche Beweisstücke liegen schon Jahrzehnte im Keller und auf dem Boden von Deutschlands größtem Gericht, dem Kriminalgericht in Moabit. Eines der neueren Exemplare ist ein Koffer, dessen Inhalt schockiert hat. In dem Gepäckstück hatten Polizisten im Sommer Leichenteile eines Tätowierers aus der Spree geborgen.

Das Wort Asservat steht für eine »amtlich aufbewahrte Sache«. »Uns ist nichts fremd«, sagt Bernd Zessin, der Chef der Asservatenkammer. Ein Sarg aus einer Sex-Show gehörte zu den bizarrsten Stücken im Fundus. Vor 30 Jahren waren solche Veranstaltungen noch strafbar, erinnert sich der Justizamtsinspektor.

»Leichensachen« steht auf einer der Türen. In der Kammer des Grauens türmen sich Kisten und Kartons in Regalen bis unter die Decke. Zettel verweisen auf den Inhalt. Blutige Laken, Kleidung von Leichen und Werkzeuge der Täter. Hier standen auch zwei Sessel eines Juwelierehepaars. Der Sohn hatte seine betagten Eltern von hinten in den Kopf geschossen.

Jährlich bringt die Polizei bis zu 20 000 Asservate in die Moabiter Turmstraße. Zehn Mitarbeiter sortieren und registrieren die Beweismittel. Jedes Stück wird gekennzeichnet und im Labyrinth des Kellers verstaut. Es wirkt wie in einer riesigen Rumpelkammer. Wird aber ein Asservat gebraucht, ist es sofort zur Hand.

30 Räume und drei Höfe sind vollgestopft mit Spuren des Verbrechens. Hunderte Werkzeuge aller Art, Gullydeckel, Rauschgiftpressen, Handys, Nummernschilder und ein Billardtisch. Tausende Messer und Stichwaffen liegen dicht an dicht in braunen Briefumschlägen. Kisten und Tüten mit Textilien, die zu sehr stinken, werden eingeschweißt. Dutzende Fahrräder sind in einem Innenhof deponiert - zerbeult nach einem Unfall oder gestohlen.

Die Asservatenkammer ist auch ein Spiegel der Geschichte. Hier lag die Tür, durch die der frühere Boxeuropameister Bubi Scholz 1984 seine Frau Helga in der gemeinsamen Villa erschoss. »Besonders viele Asservate hatten wir vom Kaufhauserpresser Dagobert«, erinnert sich Zessin: Eine Sandkiste, eine Lore und ein selbst gebasteltes Mini-U-Boot. Sichergestelltes im Millionenwert aus dem Besitz des früheren DDR-Devisenbeschaffers Alexander Schalck-Golodkowski wurde in einem alarmgesicherten Raum verwahrt. »Gemälde, Porzellan, alles, was schön und wertvoll ist,«, sagt Zessin. Schalck-Golodkowski habe den Großteil zurückbekommen. Ihm sei der unrechtmäßige Erwerb nicht nachzuweisen gewesen. Vom früheren DDR-Staats- und SED-Parteichef Erich Honecker sowie von Ex-Stasi-Minister Erich Mielke wurden Jagdgewehre und andere Waffen gelagert - sie sind nun zum Teil verschrottet.

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