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Rassistische Übergriffe auch in belebten Kiezen

800 Menschen protestieren gegen Übergriff auf Marokkaner in Prenzlauer Berg

»Wenn Rassisten zuschlagen, sorge dafür, dass sie es nie wieder tun«, so lautete das Motto einer antifaschistischen Demonstration mit etwa 800 Teilnehmern, die am Freitagabend vom S-Bahnhof Schönhauser Allee durch den Kiez zum U-Bahnhof Eberswalder Straße zog.

Anlass für den Demonstrationsaufruf antifaschistischer Gruppen, der auch vom Landesvorstand der LINKEN unterstützt wurde, war ein Angriff von drei mutmaßlichen Neonazis am Morgen des 8. Januar, der sich an der Kreuzung Eberswalder Straße/ Schönhauser Allee ereignete. Hamid-Tahar A. sprach eine junge Frau an und lud sie zu einem Kaffee ein. Drei Männer, laut Beschreibung dunkel gekleidet und mit kurzen Haaren, kommentierten das Geschehen mit rassistischen Pöbeleien gegen den Marokkaner. Als dieser sie hierauf ansprach, schlug das Trio auf ihn ein. Das Resultat war ein gebrochenes Nasenbein und ein Riss in der Halswirbelsäule, die Vorstufe zum Genickbruch. Das Opfer liegt noch immer im Krankenhaus, ist allerdings mittlerweile außer Lebensgefahr.

Der 23-jährige ist Asylbewerber, daher wurde ein Spendenkonto eingerichtet, um ihn »bei der Bewältigung der Arztkosten und anderer Dinge zu unterstützen«, sagt Martin Sonneburg, Sprecher des Mitveranstalters »North East Antifa«. Auch bei der Demonstration wurden Spenden für den Betroffenen gesammelt.

Die Organisatoren zogen im Anschluss eine positive Bilanz. »Rassistische Übergriffe bedürfen einer konsequenten Antwort«, diese habe man mit der Demonstration gegeben, resümiert Anmelder Dirk Stegemann. Ihm ist es wichtig, den jüngsten Übergriff auch »in seinem gesellschaftlichen Kontext« zu betrachten. Stegemann kritisiert insbesondere die »Verharmlosung« rechter Gewalt durch die Politik und deren »Gleichsetzung mit antifaschistischer Arbeit« in der Extremismusformel.

»Rassistische Gewalt ist in Deutschland alltäglich«, berichtet auf der Abschlusskundgebung der Demonstration auch eine Vertreterin von »Reachout«. Vor dieser seien die Betroffenen auch in belebten Kiezen nicht geschützt. Die Chronik des Projekts weist für die letzen Monate mehrere rechte Übergriffe in Prenzlauer Berg aus. Die Opferberatungsstelle bemängelte außerdem die erfolglosen Ermittlungen der Polizei bei vergleichbaren Vorfällen.

Diese begleitete die Demonstration mit einem Großaufgebot und beschlagnahmte im Anschluss den Lautsprecherwagen der Veranstalter. Zur Begründung diente nach nd-Informationen die defekte Handbremse des Fahrzeugs.

Spendenkonto: Berliner VVN-BdA e.V. , Postbank Berlin, Konto-Nr: 315 904 105, BLZ: 100 100 10, Betreff: Hamid

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