Entspannungsgesten aus Teheran

Außenminister: Iran blockierte noch nie Meerenge von Hormus

Der iranische Außenminister Ali Akbar Salehi bemüht sich um Entspannung im Streit mit dem Westen. Im Persischen Golf half die US-Marine erneut iranischen Seeleuten.

Ankara (AFP/dpa/nd). Iran habe niemals in seiner Geschichte versucht, den Seeverkehr durch die Meerenge von Hormus zu blockieren, sagte Irans Außenminister Salehi am Donnerstag während eines Besuchs in der Türkei dem Nachrichtensender NTV. Er appellierte an alle Länder der Region, sich nicht in »eine gefährliche Lage« bringen zu lassen.

»Wir wollen Frieden und Stabilität in der Region«, versicherte Salehi. Zugleich warf er der US-Regierung vor, die Tausende Soldaten in der Region habe, über einige Länder bestimmen zu wollen. Die USA hat ihre 5. Flotte in dem Golfemirat Bahrain stationiert, zudem befinden sich derzeit am Zugang zum Persischen Golf zwei Flugzeugträgergeschwader.

Die USA und die EU beraten derzeit über die Verhängung eines Importstopps für iranisches Erdöl, um die Führung in Teheran im Streit um das Atomprogramm zum Einlenken zu zwingen. Für den Fall eines Importstopps drohte die Regierung in Teheran Ende Dezember, die Meerenge von Hormus zu sperren. Durch die Seestraße zwischen dem Persischen Golf und dem Arabischen Meer werden 20 Prozent des weltweit vermarkteten Öls transportiert. Iran hatte 1987 und 1988 während des Kriegs mit Irak im Persischen Golf und in der Straße von Hormus Seeminen ausgebracht, um die irakischen Öltanker zu behindern. Nachdem ein US-Kriegsschiff durch eine dieser Minen schwer beschädigt worden war, griffen die USA auf Seiten Iraks in den Konflikt ein und zerstörten zahlreiche iranische Marineschiffe und mehrere Ölplattformen.

Unterdessen hat auch Chinas Regierungschef Wen Jiabao Iran vor einer Schließung der strategisch wichtigen Seestraße von Hormus gewarnt. Eine Blockade der Meerenge wäre »ein extremistischer Akt, der dem allgemeinen Willen der internationalen Gemeinschaft widersprechen würde«, sagte Wen während eines Besuchs im Golfemirat Katar. China werde auch weiter Erdöl aus Iran kaufen, machte der chinesische Ministerpräsident klar. Er sei mit Blick auf den Ölhandel mit Iran nicht besorgt. China bezieht elf Prozent seines Erdöls aus Iran. Bei einem Besuch von US-Finanzminister Timothy Geithner vergangene Woche signalisierte Peking, dass es sich nicht an einem Ölembargo beteiligen werde.

Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Yukiya Amano, forderte Iran derweil auf, den IAEA-Inspekteuren bei ihrem baldigen Besuch ungehinderten Zugang zu allen relevanten Atomanlagen und -unterlagen zu gewähren. Der Erfolg der für Ende Januar geplanten Inspektion der IAEA hänge einzig von der Kooperationsbereitschaft der Iraner ab, sagte Amano der »Financial Times Deutschland«. »Wir wollen alles überprüfen, was eine militärische Dimension haben könnte.«

Ungeachtet des Streits um die Meerenge von Hormus hat die US-Marine im Persischen Golf erneut iranischen Seeleuten geholfen. Es war bereits die dritte Hilfsaktion des US-Militärs für Iraner in dem Seegebiet binnen zwei Wochen.

Ein Sprecher der 5. Flotte der US-Marine in Bahrain erklärte in der Nacht zum Donnerstag, die Besatzung des Zerstörers »USS-Dewey« habe Seeleuten geholfen, deren Fischerboot am Mittwoch leckgeschlagen sei. Den Angaben zufolge befand sich noch ein Mann an Bord des Bootes, die restliche Besatzung habe sich bereits an Bord von zwei weiteren iranischen Fischerbooten in Sicherheit gebracht gehabt. Die Soldaten verteilten Nahrungsmittel und Wasser an die Fischer.

In der vergangenen Woche hatten US-Marinesoldaten die Besatzung eines iranischen Handelsschiffes aus Seenot gerettet. In der Woche zuvor befreite die US-Kriegsmarine iranische Fischer aus der Gewalt von Piraten.

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