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Heinz Fuchs ist Leiter der Arbeitsstelle »Tourism Watch« beim Evangelischen Entwicklungsdienst in Bonn.
Heinz Fuchs ist Leiter der Arbeitsstelle »Tourism Watch« beim Evangelischen Entwicklungsdienst in Bonn.

nd: Was sind für Sie die Kriterien für nachhaltigen Tourismus?
Fuchs: Machen wir uns nichts vor: Flugreisen sind nicht nachhaltig, und CO2-Kompensation gleicht lediglich den angerichteten Klimaschaden an anderer Stelle aus. Ansonsten bezieht sich die Liste von Nachhaltigkeitskriterien auf die gesamte touristische Dienstleistungskette, die sozialen und ökologischen Aspekte: Faire Löhne, Mitwirkung der lokalen Bevölkerung bei der Entwicklung touristischer Konzepte, Einbeziehung der regionalen Wirtschaft, energieeffiziente Hotels, Transparenz und sorgfältige Reisevorbereitung.

Worauf sollte der nachhaltigkeitsbewusste Tourist achten?
Angebote sorgfältig prüfen und sich über das Reiseziel sachkundig machen. Gute Reisevorbereitung kann niemandem abgenommen werden, jeder Reisende ist für sein Verhalten am Urlaubsort selbst verantwortlich - ob als Schnäppchenjäger oder auf Begegnungen ausgerichtet. Jeder kann selbst fair unterwegs sein und vorm Buchen kritisch nachfragen, wie es um die Kriterien bestellt ist.

Woran kann man faire Angebote erkennen?
Zwar gibt es immer mehr Label für touristische Angebote, doch im umfassenden Verständnis steht eine glaubwürdige Nachhaltigkeitszertifizierung noch am Anfang. Das Label »CSR certified«, mit dem die mittlerweile fast 60 Reiseveranstalter ihre Nachhaltigkeitsstrategie haben zertifizieren lassen, ist ein erster Schritt. Es gibt eine ganze Reihe weiterer ernsthafter Labels und Zertifizierungen, doch es ist noch viel Aufklärungsarbeit notwendig. Erstmals liegt seit wenigen Tagen ein kleiner Wegweiser durch den Dschungel der Zertifikate im Tourismus vor (tourism-watch.de/files/nfi_tourismus_labelguide_web.pdf).

Nachhaltigkeit in Bezug auf die Natur und soziale Menschenrechte sind nicht voneinander zu trennen. Tragen Urlaubsreisen zu Verletzungen von Menschenrechten bei?
Menschenrechte und ihre Förderung sind ein wichtiger Referenzrahmen für verantwortlichen Tourismus. Dass Urlaubsreisen per se zu Menschenrechtsverletzungen beitragen, kann und darf man so pauschal auf keinen Fall sagen. Dennoch kollidieren bestimmte touristische Angebote und Konzepte immer wieder mit menschenrechtlichen Belangen. Dort wo z. B. knappe Wasserressourcen in Vergnügungsparks und Golfanlagen geleitet werden und dadurch landwirtschaftlicher Anbau nicht mehr möglich ist, werden die Menschenrechte auf Zugang zu Wasser und Nahrung verletzt.

Sind deutsche Urlauber bereit, grundsätzlich für Nachhaltigkeit mehr zu zahlen?
Einerseits wächst bei vielen Menschen das Bewusstsein, dass Schnäppchenjagd und unser Lebensstil insgesamt auf Dauer nicht nachhaltig sind. Dies schließt unsere Mobilität und unser Reiseverhalten mit ein. Andererseits haben ausgerechnet Konsumenten, die verstärkt und mit Überzeugung Bio, regional und fair einkaufen, eine besonders ungünstige Ökobilanz was ihr Reiseverhalten angeht. Sie reisen öfter und haben so auch eine schlechtere CO2-Bilanz.

Die beachtlichen Steigerungsraten im Fairen Handel und Marktforschungen zum Tourismus weisen darauf hin, dass Konsumenten bereit sind - in einer Größenordnung von bis zu zehn Prozent - mehr auszugeben, wenn ihnen glaubwürdig eine nachhaltige Reise angeboten wird.


Fragen: Heidi Diehl

Evangelischer Entwicklungsdienst e.V. Unternehmensverantwortung - Tourism Watch, Ulrich-von-Hassell-Str. 76, 53123 Bonn, Tel.: (0228) 8101-2302, Fax: -150, E-Mail: tourism-watch@eed.de, www.tourism-watch.de

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