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Plamag wird halbiert

Nach Manroland-Insolvenz müssen in Plauen 354 Mitarbeiter gehen

  • Von Hendrik Lasch, Plauen
  • Lesedauer: 3 Min.

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Beim Druckmaschinenhersteller Plamag in Plauen wird die Belegschaft auf die Hälfte gestutzt. Die IG Metall spricht von einer »Katastrophe«, hofft aber für das Nachfolgeunternehmen.

Kurz nach elf Uhr kamen die ersten Mitarbeiter durch das Werktor der Plamag, mit versteinerten Gesichtern und unwillig, den wartenden Journalisten Auskünfte zu geben. Kein Wunder: Die eben beendete Betriebsversammlung bei dem Druckmaschinenhersteller in Plauen sei »eine harte Nummer« gewesen, sagte der Betriebsratschef Udo Meier. Nach der Insolvenz des bisherigen Eigentümers Manroland und der vorige Woche verkündeten Zerschlagung erhielten die Mitarbeiter der Standorte in Augsburg, Offenburg und Plauen gestern Gewissheit über die Zukunft der drei Werke.

Die Nachrichten, die in Plauen überbracht wurden, waren bitter: Zum 1. Februar müssen 354 Beschäftigte aus dem traditionsreichen Unternehmen ausscheiden; sie sollen in eine Beschäftigungsgesellschaft wechseln. Beim Nachfolger des bisherigen Manroland-Betriebs werden nach den Angaben Meiers nur rund 350 Mitarbeiter verbleiben. Konkret hätten 303 Beschäftigte ein Angebot zum Erhalt ihres Arbeitsplatzes erhalten. Dazu kommen 34 Lehrlinge, die ihre Ausbildung zu Ende führen, sowie Ingenieure, die formal zum Werk Augsburg gehören.

Der bisher größte Arbeitgeber in Plauen wird damit auf das Maß zurückgestutzt, auf das zuvor auch andere namhafte Unternehmen in der Stadt geschrumpft wurden, so die Werke des Busherstellers Neoplan oder des Lampenproduzenten Philips. Keines der Werke hat wesentlich mehr als 300 Beschäftigte. Die Plamag, die einst mehr als 2000 Mitarbeiter hatte, musste zwar in der Vergangenheit ebenfalls bereits Einschnitte verkraften, zudem war ihr im Zuge einer Restrukturierung die Endfertigung entzogen worden. Die im November verkündete Insolvenz und die Zerschlagung treffen das Plauener Unternehmen nun aber hart. »Das, was hier abgegangen ist«, sagt der Zwickauer IG-Metall-Bevollmächtigte Stefan Kademann, »ist eine Katastrophe.«

Zwar bleibt die Plamag bestehen. Doch der geschrumpfte Betrieb ist nur mehr Zulieferer für die bisherigen Manroland-Werke. Es gebe »eine gewisse Grundauslastung« mit Aufträgen für Augsburg und Offenburg, sagte gestern Joachim Renz, Vertreter des Insolvenzverwalters Werner Schneider. Zudem solle hier künftig mit einem Rollenwechsler wieder ein eigenes Endprodukt gefertigt werden. Im Kern aber wird die Plamag selbst nach Einschätzung von Renz noch stärker als bisher zur »verlängerten Werkbank« degradiert.

Bei der IG Metall hofft man immerhin, dass es in Zukunft wieder aufwärts gehen könnte. Für Februar seien Gespräche mit möglichen Investoren für das Werk angesetzt, das jetzt zunächst vom Insolvenzverwalter sowie dem zukünftigen Management übernommen wird. Interessenten gebe es, sagte Kademann, »ob die aber Arbeit für mehr Leute mitbringen, ist nicht klar«.

Aus Sicht des Gewerkschafters fällt die Bilanz des Verhandlungsmarathons, der in den vergangenen Wochen stattfand, gemischt aus. Zunächst sei »wichtig, dass der Standort Plauen erhalten werden konnte«, sagte Kademann. Man habe »um jeden Arbeitsplatz gekämpft«. Allerdings seien durch das Insolvenzverfahren die Möglichkeiten für Arbeitskämpfe »relativ begrenzt« gewesen.

Hart getroffen werden von der Insolvenz rund 100 Mitarbeiter, die gestern Mittag zu einer gesonderten Versammlung geladen waren. Sie hatten die Ruhephase der Altersteilzeit erreicht und sich faktisch auf ein Leben im Ruhestand eingerichtet. Eine, wie Kademann formuliert, »unvorstellbare Gesetzeslücke« sorgt jedoch dafür, dass sie einen Teil ihres zuvor angesparten Guthaben ausgezahlt bekommen - und sich dann auf dem Arbeitsamt melden müssen.

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