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Wildwest im Steakhaus

Wie eine Restaurantkette versucht, sich der Betriebsräte zu entledigen

  • Von Hans-Gerd Öfinger
  • Lesedauer: 3 Min.
In der Steakhauskette Maredo geht es zu wie in Gangsterfilmen - Falschanschuldigungen, Kündigungen und Mobbing gegen Gewerkschafter. Der Konzern will seine Betriebsräte loswerden, vermutet man in der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG)

Der Widerstand gegen die Kündigung der meisten Beschäftigten in einer Filiale der Steakhauskette »Maredo« in Frankfurt am Main kommt in Fahrt. Am Mittwoch trafen sich rund 25 Betroffene und solidarische Menschen aus Gewerkschaften und Parteien im Frankfurter Gewerkschaftshaus und besprachen die Ausweitung der öffentlichen Solidaritätsarbeit.

Die meisten von ihnen werden sich am heutigen Freitag im Frankfurter Arbeitsgericht wiedersehen, wo die Kündigungsschutzklagen für die ersten zwölf gefeuerten Maredo-Beschäftigten verhandelt werden. Insgesamt 29 Betroffene klagen auf Weiterbeschäftigung und werden dabei wohl einen langen Atem brauchen. Das Verfahren dürfte sich über viele Monate hinziehen. Das Maredo-Management hatte nach Augenzeugenberichten Ende November in einer überraschenden und gut geplanten Aktion die Zugangstüren zum Betrieb abriegeln lassen und und etwa ein Dutzend der langjährigen Mitarbeiter unter massivem Druck zu Eigenkündigungen gezwungen. Gegen knapp zwanzig Beschäftigte wurden fristlose Kündigungen eingeleitet, darunter auch gegen den dreiköpfigen Betriebsrat. Zuvor hatte das Management wochenlang zwei verdeckte Ermittler im Betrieb eingesetzt und eine mehrtägige Überwachung mit drei Videokameras angeordnet, ohne den Betriebsrat zu konsultieren.

Neben den Kündigungsschutzklagen werden nach Angaben der Gewerkschaft NGG auch die Anzeigen von 14 Betroffenen gegen die Geschäftsleitung wegen Freiheitsberaubung und Nötigung die Frankfurter Gerichte beschäftigen. Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft in der Mainmetropole.

Die betroffenen Beschäftigten wurden nach NGG-Angaben Ende November bis zu zwei Stunden festgehalten und am Verlassen der Räume gehindert. An den Türen waren professionelle Sicherheitskräfte postiert, die Benutzung persönlicher Mobiltelefone wurde den überraschten Betroffenen untersagt. Die Beschäftigten seien von Beauftragten der Düsseldorfer Konzernzentrale und einem eigens angereisten Rechtsanwalt zu angeblichen Verfehlungen im Zusammenhang mit der Bonierung von Personalessen und anderen Eigentumsdelikten dazu gedrängt worden, vorgefertigte Eigenkündigungen ihrer teils langjährigen Beschäftigungsverhältnisse zu unterschreiben. »Die Teilnahme der vor Ort anwesenden Betriebsräte an den Verhören wurde den Beteiligten strikt verweigert«, beklagt die NGG.

Das »von langer Hand vorbereitete« Vorgehen gegen die Frankfurter Maredo-Belegschaft dürfte nichts mit dem vorgeblichen Diebstahl von Lebensmitteln zu tun haben, sondern vor allem dazu dienen, engagierte Betriebsräte und Gewerkschaftsmitglieder loszuwerden, ist sich der Frankfurter NGG-Sekretär Gerhard Jahn sicher: »Es ist nicht hinzunehmen, wenn die Rechte von Beschäftigten und Betriebsräten derart mit Füßen getreten werden.« Eine Hauptzielscheibe der Nacht-und-Nebel-Aktion Ende November dürfte der Betriebsratsvorsitzende Mimoun Bouhout gewesen sein, den Gerhard Jahn schon seit den 1990er Jahren als engagierten Betriebsrat und loyales Gewerkschaftsmitglied kennt und betreut.

Außer in Frankfurt existieren derzeit nur in sechs von bundesweit über 50 Maredo-Restaurants mit insgesamt über 1100 Beschäftigten Betriebsräte. Immer noch zu viel, scheint sich die Konzernleitung zu denken. Dass »Wildwest« auch in der Osnabrücker Maredo-Filiale herrscht, bestätigte am Donnerstag der dortige NGG-Sekretär Peter Buddenberg.

Am Nachmittag begleitete er die Betriebsratsvorsitzende Jacqueline Fiedler zum »Gütetermin« beim Arbeitsgericht. Der Konzern wolle die Betriebsrätin »mit fadenscheinigen Begründungen« loswerden und habe sie jahrelang »systematisch gemobbt« und unter Druck gesetzt, so Buddenberg. Beobachter rechnen damit, dass der Nervenkrieg noch lange anhalten wird.

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