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Ullrich versäumt umfassendes Geständnis

Ex-Radstar räumt Kontakt zu umstrittenem Arzt Fuentes ein - von Doping jedoch kein Wort

Vorbei, erledigt, abgehakt. Der Blick geht nach vorn. Ex-Radprofi Jan Ullrich hat sich nach jahrelangem Schweigen zu seiner unrühmlichen Vergangenheit erklärt, sich entschuldigt und »große Fehler« eingestanden. Dabei will es der einzige deutsche Tour-de-France-Sieger bewenden lassen. »Ich ziehe hiermit einen Schlussstrich«, schrieb der 38-Jährige auf seiner Internetseite.

Die Chance, umfassend mit den Vorgängen in der Affäre um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes abzuschließen, hat er versäumt. »Ich bestätige, dass ich Kontakt zu Fuentes hatte«, ließ Ullrich, der vom Internationalen Sportgerichtshof CAS des Dopings schuldig gesprochen wurde, lediglich wissen. Er habe für die Tour 2006 »noch mal alles rausholen« wollen, der Druck der Öffentlichkeit, der Sponsoren und sein Eigendruck seien »immens groß« gewesen. »Alle wollten einen zweiten Toursieg«, meinte der Gewinner der Rundfahrt von 1997.

Nach dem Urteil des CAS war es jedoch kein Dopinggeständnis. »Er bestätigt nicht ausdrücklich, tatsächlich gedopt zu haben«, sagte Rechtsanwalt Dirk Feldmann. Den Schiedsspruch werde Ullrich nicht anfechten. Deshalb sei es »schwer vorstellbar, dass er noch behaupten will, er habe kein Blutdoping begangen«, so Feldmann.

Eine Erklärung zu den dokumentierten Zahlungen von mehr als 80 000 Euro an Fuentes blieb aus. Auch zu seinen Besuchen in Spanien verlor Ullrich keine Silbe. Immerhin drückte der gebürtige Rostocker Bedauern aus. »Ich weiß, dass das ein großer Fehler war, den ich sehr bereue. Für dieses Verhalten möchte ich mich entschuldigen. Rückblickend würde ich in einigen Situationen anders handeln«, schrieb er.

Schon kurz nach seiner Suspendierung 2006 habe Ullrich gestehen wollen, doch »auf Anraten meiner Anwälte habe ich geschwiegen«. Stattdessen klammerte er sich an die Formulierung, er habe »nie jemanden betrogen«. Ab sofort will Ullrich nur noch über seine Zukunft sprechen, Äußerungen zur Dopingaffäre werde es nicht mehr geben. SID

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