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Umstieg in den Helikopter

Russische Spitzenbeamte sollen lange Staus umgehen

  • Von Irina Wolkowa, Moskau
  • Lesedauer: 3 Min.

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Russische Spitzenbeamte sollen vom Dienstwagen auf den Diensthubschrauber umsteigen. Jedenfalls in Moskau, wo kilometerlange Staus die Autofahrer seit Jahren nerven. Für das Verkehrschaos in der russischen Hauptstadt gibt es vor allem zwei Gründe: Die Verkehrsinfrastruktur wurde von Planern in der Stalin-Ära konzipiert. Damals waren Autos der Inbegriff von Luxus. Auch hatte Moskau 1936 ganze 3,6 Millionen Einwohner. Heute sind es mindestens zwölf Millionen, und ein fahrbarer Untersatz Standard. Angemeldet sind inzwischen weit über drei Millionen Pkw.

Vor allem aber: Spitzenbeamte und ranghohe Politiker genießen in Russland auch im Straßenverkehr Privilegien. Wenn Präsident und Regierungschef unterwegs sind, werden ganze Straßen gesperrt. »Untergeordnete Dienstgrade« dürfen sich mit Blaulicht und Hupe freie Fahrt verschaffen. Notfalls auch auf der Gegenfahrbahn oder auf dem Grünstreifen.

Allein in Moskau genießen fast 900 Auserwählte das Recht, die Straßenverkehrsordnung Kraft ihres Amtes außer Kraft zu setzen. Auch, wenn von selbigem weder Leben und Sterben, noch die Sicherheit von Mütterchen Russland abhängen. Wieso, fragt sich daher seit Jahren und völlig zu Recht der gemeine Moskowiter, lässt sich der Rektor der Staatlichen Lomonossow-Universität im Blaulicht zum Ballett im Bolschoi kutschieren?

Gegen das Blaulicht-Privileg formierte sich daher schon vor ein paar Jahren eine Protestbewegung, von deren Stärke Bürgerbewegte lange nur träumen konnten: Die »blauen Eimerchen«. Ein solches Sandkastenspielzeug für Kinder prangt als Parodie auf das Lichtsignal auf vielen Autodächern. Mit Protestrallyes legten die »blauen Eimerchen« selbst schon des Öfteren den Verkehr lahm.

Vage ist zwar schon in der Langzeit-Konzeption zur Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur in Moskau die Rede von Entlastung durch Helikopter als Fortbewegungsmittel für Staatsdiener. Doch jetzt nimmt das Projekt konkrete Gestalt an, wie die Wirtschaftszeitung »Wedomosti« unter Berufung auf Quellen in der Stadtregierung und im Verkehrsministerium berichtet.

Demzufolge sollen bereits in Kürze im Moskauer Stadtzentrum zehn Helikopter-Bahnhöfe entstehen, weitere 40 an der Peripherie und im Umland. Dreizehn gibt es bereits, doch acht davon stehen ausschließlich Unfallkliniken zur Verfügung. Die Planer haben für das Projekt sechs Milliarden Rubel kalkuliert, das sind rund 150 Millionen Euro. 80 Prozent davon sollen bei privaten Investoren eingesammelt werden. Das dürfte schwierig werden: kritische Luftfahrtexperten glauben, Präsidentschaftskandidat Wladimir Putin wolle mit dem Projekt Wähler ködern, der praktische Nutzen würde sich in Grenzen halten.

Den Luftraum über Moskau, warnte Oleg Pantelejew vom Analytik Zentrum Aviator, kontrolliere der für Personenschutz zuständige Föderale Sicherheitsdienst. Und der würde den Kreis neuer Nutzer möglichst klein halten. Um Sicherheitsrisiken für Präsident und Regierungschef zu minimieren, die schon jetzt vor allem Hubschrauber nutzen, wenn sie in Moskau unterwegs sind.

Daran dürften auch Pläne scheitern, Russlands Geldadel künftig durch die Lüfte zu kutschieren. Zu den Flughäfen etwa oder in die Naherholungsgebiete. Dazu kommt, dass Hubschrauber im eigentlichen Stadtzentrum - dem Areal innerhalb des Gartenrings, wo auch die meisten Behörden angesiedelt sind - kaum starten und landen können. Die historischen Gebäude aus dem 19. Jahrhundert haben spitze Dächer und extrem enge Höfe. Und neben unzumutbarem Fluglärm für die Anwohner drohen durch die Vibration auch Schäden an Kirchen und Palästen im Kreml.

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