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Die Angst vor der Super-Biowaffe

Neue Forschungsergebnisse zu Vogelgrippeviren dürfen nicht veröffentlicht werden

  • Von Marc Engelhardt, Genf
  • Lesedauer: 3 Min.

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Neue Forschungen zur Vogelgrippe müssen nach einer Krisensitzung bei der WHO in der Schublade bleiben, weil Kritiker eine Katastrophe befürchten. Die mutierten Viren wären ihnen zufolge eine tödliche Biowaffe.

Es war ein Überraschungsergebnis bei einem »dummen Experiment«, wie Ron Fouchier selber sagt. Der Virologe vom Erasmus-Medical Center in Amsterdam war auf der Suche nach einem Impfstoff gegen den Vogelgrippevirus H5N1. Dabei schuf Fouchier ein »Supervirus«, das nicht nur genauso tödlich ist wie die Vogelgrippe (60 Prozent aller bisher mit H5N1 infizierten Menschen starben), sondern sich genauso rapide zu verbreiten droht wie die normale Grippe. Denn anders als das bislang bekannte Vogelgrippevirus ist der H5HA genannte Typ in der Lage, sich über die Luft zu verbreiten. Versuchstiere waren Frettchen, deren Physiologie dem Menschen so ähnlich ist, dass eine Ansteckung auch zwischen Menschen angenommen werden muss.

Wissenschaftlich gesehen ist das eine Sensation. »Die Frage, ob sich das Vogelgrippevirus von Mensch zu Mensch ausbreiten kann und dabei so gefährlich bleibt wie vorher, ist für die Suche nach einem effektiven Impfstoff von immenser Bedeutung«, sagt Professor Klaus Schughart, Leiter der Abteilung Infektionsgenetik beim Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig. Der Wissenschaftler würde Fouchiers Ergebnisse gerne sehen. Doch das ist derzeit nicht möglich. Denn bei einem streng vertraulichen Treffen bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Freitag einigten sich 20 Wissenschaftler und die Chefredakteure der Wissenschaftsmagazine »Science« und »Nature« darauf, von Fouchier und einer Forschungsgruppe in den USA eingereichte Artikel mit den Forschungsdetails unter Verschluss zu halten. Das Moratorium gilt zunächst unbefristet.

Das für Biosicherheit zuständige Kontrollgremium der US-Regierung befürchtet, dass die Aufsätze Bauplänen für eine tödliche Biowaffe gleichkommen. Gegen das mutierte Supervirus gibt es derzeit kein Gegenmittel. Zudem zeigte sich Fouchier bei der Vorstellung seiner Ergebnisse auf einer Fachkonferenz im vergangenen September selbst überrascht, wie leicht das H5HA-Virus hergestellt werden konnte - fünf Mutationen reichten aus. Im Reich Viren ist das praktisch nichts.

»Das unbefristete Moratorium ist ein erster richtiger Schritt«, urteilt der ehemalige Biowaffen-Inspekteur Jan van Aken, der für die Linke im Bundestag sitzt. »Jetzt ist der Druck da, dass man sich mit dieser Frage befassen muss.« Van Aken kritisiert, dass oftmals Nutzen und Risiken zu wenig gegeneinander abgewogen würden. Die Frage sollte nicht sein, ob man Forschungsergebnisse veröffentliche, sondern ob bestimmte Forschungen überhaupt nötig seien. Die mutierten Viren müssten vollständig vernichtet werden, sie seien zu gefährlich. Schughart hingegen glaubt, dass Fouchiers Forschung veröffentlicht werden muss um auf den Ernstfall vorbereitet zu sein. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis derartige Viren auch in der Natur auftauchten. Als Kompromiss kann er sich vorstellen, vorübergehend die Sicherheitsstufe für solche Experimente zu erhöhen. Derzeit gilt bei H5N1-Viren nur die zweithöchste Stufe. Die WHO hat einen »breiten Beratungsprozess« angekündigt.

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