Erzählen als Therapie

In einem Berliner Krankenhaus sprechen Patienten auf einer wöchentlich stattfindenden Veranstaltung über ihr Leben

  • Von Silvia Ottow
  • Lesedauer: ca. 9.0 Min.

Ums Älterwerden kommt keiner herum. Es schrecken uns an diesem unausweichlichen Vorgang aber nicht nur die körperlichen Gebrechen, sondern auch die Angst, den Verstand zu verlieren, dement zu werden, Alzheimer zu bekommen. nd befragte Wissenschaftler zu diesem Thema und hörte betagten Menschen zu.

Dr. Wilhelm M. (91)

Werner P. ist an diesem Montag der erste Patient im nüchternen Bibliothekszimmer der Station 113 im Vivantes Klinikum in der Berliner Fröbelstraße. Stationspsychologin Stefanie Roessler hat ihn im Rollstuhl hereingefahren und jetzt schaut er sich neugierig um.

Auf einem weißen Tisch steht eine Schale mit Keksen, an der Seite auf der Anrichte eine Thermoskanne mit Kaffee, ein paar Flaschen Wasser und weißes Krankenhausgeschirr. Den Ort für ein gemütliches Plauderstündchen könnte man sich gewiss anheimelnder vorstellen. Und doch soll er genau das heute hier sein: Ein Erzähl-Salon mit einer Salonnière, wie man sie aus der Geschichte vergangener Jahrhunderte kennt, in denen sich oft wohlhabende und gebildete Frauen als Gastgeberinnen betätigten. Ein paar Häuserecken weiter erinnert zufällig die Varnhagenstraße an die berühmte Salonnière Rahel Varnhagen, die zwischen 1790 und 1806 Schriftsteller, Forscher und Adlige in ihrer Berliner Wo...


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