Werbung

Sturm auf Burg Heppenheim

Ein hessischer Imker hat sich einen Traum erfüllt - jetzt wird das Bauwerk abgerissen

  • Von Joachim Baier, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

In Südhessen hat ein Mann eine Burg in die Weinberge gesetzt, ohne dafür Papiere zu haben. Nun soll die Anlage abgerissen werden. Der selbst ernannte Burgherr, ein 45-Jähriger Imker, versteht die Welt nicht mehr.

Heppenheim. Jahrelang hat ein Imker aus Hessen ohne Zustimmung der Behörden eine eigene Burg in den Weinbergen gebaut. Jetzt soll die gesamte Anlage dem Erdboden gleichgemacht werden. Am Mittwoch rückten in den Weinbergen an der Bergstraße die Bagger an, um zunächst den Kräutergarten abzureißen.

»Sie haben zehn Jahre bewusst schwarz gebaut«, sagte Kreisbeigeordneter Matthias Schimpf (Grüne) zu dem selbst ernannten Burgherren Volker Sieradzki. Zudem sei die Anlage gefährlich, da Sicherheitsstandards nicht erfüllt würden.

Der Imker versteht die Welt nicht mehr: Fassungslos beobachtet er, wie der Kompaktbagger seine Schaufel in den Kräutergarten setzt. »Ich kann den Aufruhr beim besten Willen nicht verstehen«, beteuert der 45-Jährige. In der vergangenen Zeit seien so viele Menschen gekommen und hätten die Burg aus Lehm, Holz und Steinen bewundert.

Der Kräutergarten hätte Schülern die Natur näher bringen können. Eine zweite und dritte Burg, dann noch eine Solaranlage - das alles wäre nach Sieradzkis Vorstellung ein wahrer Naturerlebnispark geworden. Im Jahr 2003 hatte Sieradzki mit dem Kräutergarten in Spiralform angefangen. »Seitdem ist das aktenkundig.« Zwei Jahre später sei es mit der Burg losgegangen. Warum die Behörden sich nun zu diesem Ende entschlossen haben und es keine andere Möglichkeit gibt, ist für den Imker nicht nachzuvollziehen.

An dem steilen Hang auf dem Weinberg fallen bei den Baggerarbeiten die Wände zusammen. Ein Beispiel für Werner Rühmkorff von der Naturschutzbehörde des Kreises, dass die Statik der Burganlage zu wünschen übrig lässt.

Die Weinberge hätten ihm gehört, bis es Geldprobleme gegeben habe, erzählt Sieradzki. Er habe Sozialwissenschaften studiert, gejobbt und neben Weinbergen auch Bienen gehabt. Jedes Jahr habe er ein Stück Gelände gekauft, Gewinn aus dem Wein in seine Burg investiert. Rund 25 000 Euro habe er reingesteckt. Viel Burg für wenig Geld - »eine Spitzenleistung«. Nach Auffassung des Imkers ist das Niederreißen der Anlage wahrscheinlich teurer als der Bau.

Dem hält der Kreisbeigeordnete Schimpf entgegen, dass der Mann alles in Schwarzarbeit erledigt hat. Laut Landkreis gab es wegen der illegalen Bauten zwischen Sieradzki und Behörden zwar immer wieder Kontakt, aber keine Entscheidung. Nun sei aber die Beseitigungsverfügung für den Kräutergarten durchgesetzt worden.

Auf Behörden ist der Burgherr schlecht zu sprechen, zum Beispiel auf das Finanzamt. Eine Nachzahlung von mehreren tausend Euro sei fällig gewesen. »Vom Finanzamt gab es eine Breitseite von Briefen. Die habe ich im einzelnen gar nicht geöffnet, die liegen gestapelt da.«

Heppenheims Bürgermeister zeigt ein bisschen Herz für Sieradzki, hält aber den Abriss der Burg für alternativlos. »Man muss zwar Respekt haben für diese Leistung«, sagt Rainer Burelbach (CDU). »Gleichwohl: Es ist illegal.«

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!