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Ötzi

Vignette: Bernd Zeller
Vignette: Bernd Zeller

Wie neueste Untersuchungen ergeben haben, litt der bekannte Gletschermann Ötzi bereits vor viertausend Jahren an Beschwerden, die wir als Zivilisationskrankheiten ansehen. Wir haben also keinen Grund, uns über Menschen zu erheben, die wir als viertausend Jahre oder weniger zurückstehend betrachten.

Man kann indes annehmen, dass der Ötzi nicht wusste, dass es sich bei seinen Beschwerden um Zivilisationskrankheiten handelte. Erst die moderne Medizin war imstande, diese Leiden als solche zu klassifizieren und dafür Zivilisationsbehandlungen zu entwickeln. Gern verschrieben wird ein einfacherer, ursprünglicher Lebensstil, zum Beispiel wie der vom Ötzi.

Möglicherweise ist er gerade deshalb in den Gletscher geraten, weil er der damaligen Zivilisation entfliehen wollte und ein noch einfacheres und ursprünglicheres Leben suchte. Mit ziemlicher Sicherheit litt der Ötzi auch an Burn-out und fühlte sich den Herausforderungen der Turbo-Stein- zeitgesellschaft nicht gewachsen. Ob er die sozialen Ursachen richtig erkannt hat, ist zu bezweifeln. Eher hat er den Ärger über die ungleiche Verteilung von Steinen in sich hineingefressen.

Vor seinem Aufenthalt im Gebirge war Ötzi übergewichtig, er saß den ganzen Tag nur in der Höhle herum und ließ sich von den Höhlenmalereien berieseln. Irgendwann fand er, dass es nicht so weitergehen kann, und beschloss, sich von nun an selbst zu verwirklichen. Er beschloss, Jagdunterricht zu nehmen, um ein erfüllendes Hobby als Jäger auszuüben und sich vielleicht sogar ein zweites Standbein zu schaffen. Doch als seine Beschwerden ihn daran erinnerten, dass die Zeit der Jugend unwiederbringlich vorüber war, wollte er sich lieber einen schnellen Schlitten zulegen mit doppeltem Hirschantrieb. Das Statussymbol machte sich gut vor der Höhle, bis Ötzi den hohen Kraftstoffverbrauch nicht mehr schultern konnte.

Wenn man noch etwas weiter sucht, findet man Ötzis Nordic-Walking-Stöcke.

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