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Ein einziger Pfiff

Schlechte Stimmung bei Schalke nach dem 0:1 in der Europa League gegen Enschede und vor dem Ligaspiel gegen Hamburg

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 3 Min.
Vor dem Heimspiel am Sonntag gegen den Hamburger SV legte ein einziger Pfiff die Stimmungslage beim FC Schalke 04 offen. Das 0:1 in der Europa League bei Twente Enschede war die vierte Auswärtspleite in Folge.

Zuhause ist es doch am schönsten. Nicht nur wegen der schmucken »Fußballhalle« in Gelsenkirchen und dem Rückhalt von 60 000 Fans genießt Schalke 04 die Heimspiele derzeit ganz besonders. Denn wer verliert schon gern? Die Königsblauen wären ein richtig ernstzunehmender Titelkandidat, gäbe es eine Schale für die Heimmeisterschaft. Nur drei Punkte liegen sie dort als Dritter hinter Borussia Dortmund. Die Auswärtsspiele da-zugerechnet, wächst der Rückstand gleich auf elf Punkte.

In den letzten drei Bundesligaspielen in der Fremde holte Schalke keinen einzigen Punkt. Besonders das 1:2 beim Abstiegskandidaten Freiburg am vergangenen Wochenende sorgte für großen Frust. Aber erst die vierte Auswärtspleite in Folge ließ die Stimmungslage in ihrer ganzen Wucht offen zu Tage treten.

Am Donnerstagabend hatte der FC Schalke im Achtelfinalhinspiel der Europa League mit 0:1 durch das Tor von Luuk de Jong (61.) bei Twente Enschede verloren. Und durch eine Fehlentscheidung des schottischen Schiedsrichters Craig Thomson. Obwohl de Jong über die eigenen Beine gestolpert war, entschied er auf Strafstoß. Der Gefallene schoss selbst - und traf.

Nach dem Ende platzte Sportdirektor Horst Heldt der Kragen. Die Unparteiischen waren für ihn allesamt »Amateure« und »Pappnasen«, die arrogant seien und lieber zu Hause bleiben sollten. Die UEFA bekomme »gar nichts« oder wahlweise »einen Scheißdreck in den Griff«. Heldt selbst bekam erst »das Kotzen« und dann »die Krätze«, vielleicht auch andersherum.

Sicher, es war eine klare Fehlentscheidung. Doch davon gibt es in einer Saison einige, auch spielentscheidende. Ärgerlich ist auch, dass Joel Matip für den Zweikampf mit de Jong Rot gesehen hatte und im Rückspiel gesperrt fehlen wird.

Doch was macht ein einziger Pfiff aus dem bedachten Heldt einen wütenden Rundumschläger? Der Duft der ganz großen Fußballwelt! Champions League! Vor vier Wochen lag Schalke in der Liga auf Platz drei. Nur zwei Zahler hinter dem BVB, punktgleich mit dem Zweiten FC Bayern. Schon mit einem Bein auf der großen Bühne, mit einer Hand schon im prall gefüllten Geldsack der UEFA. Dann kam die Niederlagenserie in der Fremde: Platz vier mit gewachsenem Rückstand nach oben und halbiertem Vorsprung nach unten.

Auch wenn die Gelegenheit des schnellen Aufstiegs unverhofft und günstig kam, ist es unverständlich, dass die Nerven so blank liegen. Denn Schalke ist im Soll. Das Saisonziel, ein internationaler Startplatz, ist bei neun Punkten Vorsprung auf Rang sieben mehr als realistisch. Die selbst geschaffene Unruhe ist auf dem Weg dahin aber mehr Gefahr als Chance auf eine Trotzreaktion. »Jetzt erst recht«, forderte Heldt. Am Sonntag gegen den HSV könnte es dennoch funktionieren: Es ist ein Heimspiel.

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