Bundeswehr probt nächsten Golfkrieg

»Peace-Rider«-Übung mit Niederländern

  • Von Gerhard Piper
  • Lesedauer: ca. 1.5 Min.

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat unlängst die deutsche Beteiligung an einem Angriff auf den Irak ausgeschlossen. Doch ungeachtet dessen probt die Bundeswehr den nächsten Golfkrieg.

Bereits vor einigen Monaten übte die Bundeswehr den Ernstfall. Im westfälischen Münster simulierte das deutsch-niederländische Korps einen möglichen Krieg am Persischen Golf. Dem Oberkommandierenden des Korps, Generalmajor Norbert van Heyst, unterstehen 39000 Soldaten, darunter die 7. Mechanisierte Division aus dem holländischen Apeldoorn und die 1. Panzerdivision aus Hannover. »Peace Rider I« (Friedensreiter) war der Codename für die Übung, bei der der Generalstab des Korps aus 430 Mann Stammbesatzung den Golfkrieg probte. Gefechte mit 81000 NATO-Soldaten wurden an den Computern simuliert. Schließlich gehört es zum normalen Arbeitsbereichs eines Militärstabes, gelegentlich solch eine Übung durchzuführen. Was jedoch in Münster noch »Spiel« war, ist in den USA längst Ernst. Dort sitzen US-amerikanische Generalstäbler über ihren Kriegsplanungen gegen den Irak - eine ihrer Varianten sieht den Einsatz von 70000 bis 100000 US-Soldaten vor. Jegliche Parallelen zwischen dem deutsch-niederländischen Übungsgeschehen und der tatsächlichen USA-Kriegsplanung wären allerdings rein zufällig. Dennoch bereitet die deutsch-niederländische Übung Unbehagen. Mit ihr testete die NATO, ob der Korpsstab als »High Readiness Forces Headquarters« (HRFHQ) dienen könnte, um innerhalb von 30 Tagen eine umfangreiche Militärintervention außerhalb Europas durchzuführen. Von den Stäben der sechs multinationalen Großverbände der NATO will das Bündnis mindestens drei auswählen. Als erstes wurde der Stab der Schnellen Eingreiftruppe ARRC in Mönchengladbach auf seine Einsatzbereitschaft überprüft, dem folgten das Hauptquartier in Münster und das deutsch-französische Eurokorps in Strasbourg. Bis zum Jahresende sollen die Kriegshauptquartiere ausgewählt sein. Bundeskanzler Gerhard Schröder versprach im Wahlkampf zwar, er wolle sich trotz seines Versprechens einer »uneingeschränkten Solidarität« gegenüber den USA nicht am nächsten Golfkrieg beteiligen. Dennoch bleiben die deutschen Soldaten mit ihren ABC-Spürpanzern Fuchs weiterhin in Kuweit stationiert. Auch der Stab in Münster setzt seine Kriegsübungen fort. Vom 9. bis 20. September so...

Wenn Sie ein Abo haben, loggen Sie sich ein:

Mit einem Digital-, Digital-Mini- oder Kombi-Abo haben Sie, neben den anderen Abo-Vorteilen, Zugriff auf alle Artikel seit 1990.

Bitte aktivieren Sie Cookies, um sich einloggen zu können.