Der Abkühler

Reiner Priggen war Fraktionschef der Grünen im Landtag von Nordrhein-Westfalen

Im NRW-Landtag agierte er zuletzt vor allem als Kommunikator der rot-grünen Minderheitsregierung: Reiner Priggen, Fraktionschef der Grünen, nun in die Schlagzeilen, weil er seinem Parteifreund Jürgen Trittin heftig widerspricht. Ob Schwarz-Grün eine Option für NRW sei? »Nein«, sagt Trittin lapidar. »Ausschließeritis darf es nicht geben«, returniert Priggen.

Priggen ist ein kantiger Typ, ein Freund klarer Worte, des mitunter tödlichen Gags, einer der besten Redner der letzten Landtage. »Priggen hält seit Langem Elogen auf Schwarz-Grün, er ist ein Fan dieser Option«, behauptet ein Insider. Fakt ist: Priggen ist Pragmatiker. Mögliche Hindernisse für Schwarz-Grün sieht der 59-Jährige aus dem Weg geräumt: Im Bund hat man sich mit der CDU auf den Atomausstieg geeinigt, in NRW auf einen Schulkonsens. Jetzt hat CDU-Spitzenkandidat und Umweltminister Norbert Röttgen bis auf Weiteres den heftig umstrittenen Abtransport von 152 Castor-Behältern gestoppt - wegen denen er unter Beschuss der Grünen stand. Noch ein Hindernis weniger ...

Jahrelang arbeitete der gelernte Ingenieur Priggen in der Kältetechnik. »Ob in Stahlwerken, Kokereien, Walzwerken - die Hitzeabstrahlung ist enorm. Um die Arbeitsbedingungen erträglich zu machen, wird Kälte überall gebraucht.« Dass die Hitze der rot-grünen Schwelfeuer Energie, Wirtschaft, Klima und Umwelt nicht nach außen abstrahlte, dürfte insbesondere Priggen, dem Abkühler, zu verdanken sein.

Die Neuauflage des Bündnisses sei weniger konfliktreich als die rot-grünen Vorgängerregierungen unter Rau, Clement und Steinbrück, betonte Priggen vor einem halben Jahr im Gespräch mit »nd«. Ob die Beton-SPD ein Stück weit ergrünt sei? Als rot-grüner Veteran dürfe er »die Frage klar bejahen«. Rot-Grün sei darauf ausgerichtet, »positive Ergebnisse zu erzielen«.

Doch eines bleibt für Priggen gewiss: Eine Koalition mit der CDU müsse »für die Grünen möglich sein«. Es müsse klar sein, dass sich die Bundes-Grünen bei Koalitionsfragen in den Ländern zurückzuhalten hätten, schleuderte Priggen Trittin gestern selbstbewusst entgegen. Auch im Bund gebe es übrigens schon seit Monaten keine rot-grüne Umfrage-Mehrheit.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung