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Tafeln mit Internetverbindung

Whiteboards verdrängen in deutschen Schulen die gute alte Kreidetafel

  • Von Christine Cornelius, dpa
  • Lesedauer: 2 Min.
Kreidestaub und Tafelwischen mit müffelnden Schwämmen - viele Schüler werden das bald nur noch aus Erzählungen kennen. Grüne Tafeln sind auf dem Rückzug, dank interaktiver Whiteboards. Wenige Schulen wurden schon komplett umgestellt.

An grüne Kreidetafeln kann sich Fünftklässler Michael Bischof zwar noch erinnern, aber sie erscheinen ihm wie Relikte aus längst vergangener Zeit. »Man musste sie andauernd putzen«, sagt der Elfjährige. Vor ihm an der Wand hängt ein interaktives Whiteboard, eine elektronische Tafel, die mit einem Computer verbunden ist. Im Gymnasium in Diedorf (Landkreis Augsburg) gibt es in jedem der elf Klassenräume ein solches Modell. Am meisten Spaß macht Michael die Tafel in Geografie. »Da gibt es auf dem Whiteboard ein Quiz, und Mädchen spielen gegen Jungs.« Sie müssten dann etwa Planeten in die richtige Reihenfolge bringen.

Auch Mathematiklehrer Günter Manhardt trauert der Kreidezeit nicht hinterher. »Sonst waren meine Tafelbilder in der nächsten Stunde immer weggewischt - jetzt kann ich sie speichern.« Er setzt die elektronische Tafel häufig ein. Die Hausaufgaben eines Schülers etwa legt er unter eine Dokumentenkamera - sie sind dann auf der Tafel zu sehen. Er friert das Bild ein, gibt das Heft zurück und korrigiert die Rechenaufgaben mit einem Stift. Erklärungen veranschaulicht er mit einem Klick ins Internet und zeigt Filme. »Ich habe im Prinzip die ganze Welt im Klassenzimmer, weil ich das Internet da habe.«

Die interaktiven Whiteboards sind auf dem Vormarsch. In Bayern arbeiten rund 21 Prozent der Schulen damit - bei den Gymnasien sind es sogar 58 Prozent. »Es gibt aber nur sehr wenige Schulen, die wie in Diedorf in jedem Klassenzimmer mit Whiteboards ausgestattet sind«, sagt der Sprecher des Kultusministeriums, Henning Gießen. Zur Berufsvorbereitung sei es wichtig, dass Schüler mit modernen Medien umgehen könnten.

Medienpädagogin Kerstin Mayrberger betont, dass die elektronischen Tafeln Schulstunden nur dann bereichern, wenn Lehrer die interaktiven Möglichkeiten didaktisch ausreizten. Eine Allzweckwaffe seien sie aber nicht. »Jeder Lehrer muss sich vor jeder Stunde überlegen, welches Medium am besten geeignet ist, die Unterrichtsziele zu erreichen.«

An Schulen bleibe es häufig bei einer Technikeinführung, kritisiert die Expertin von der Universität Augsburg. »Danach werden die Lehrer mit dem Gerät alleingelassen.« Didaktische Lehrerfortbildungen gebe es auch in Diedorf nicht, sagt Lehrer Manhardt. »Wir machen das eher handgestrickt - jeder gibt sein Wissen weiter.« Auch die Schüler bildeten die Lehrer fort - indem sie dem einen erzählten, was der andere mit dem Whiteboard mache. »So riesig sind die Geheimnisse auch nicht - es ist ja keine Hexerei.«

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