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Kunst aus der Eiszeit

Schau in der Vertretung Baden-Württemberg

Vor 40 000 Jahren, als das heutige Berlin noch unter Endmoränengeröll und Gletschereis lag, siedelten auf der Schwäbischen Alb bereits »Künstlerkolonien«. Das jedenfalls legen Fundstücke nahe, die unter anderem in der Vogelherdhöhle bei Niederstotzingen sowie im Hohlen Fels bei Schelklingen gefunden wurden: nur wenige Zentimeter große Figuren wie ein Pferdchen, ein Mammut oder eine Venus.

Es handelt sich um die ältesten bekannten Kunstwerke der Welt, sagt einer der Ausgräber, der Tübinger Archäologe Harald Floss. »Aber wer weiß, was da noch kommt.« Bis zum 5. April ist in der baden-württembergischen Landesvertretung die Ausstellung »Aufbruch Kunst - Mensch und Tier in der Eiszeit« zu sehen.

Auffällig sei, dass eben auf der Schwäbischen Alb »auf ein paar Quadratmetern« mehr Kunstwerke zu finden seien als auf der gesamten Welt sonst, sagt Floss. 50 Figuren und Figürchen seien inzwischen - konzentriert auf einige Orte auf der Schwäbischen Alb - ans Tageslicht befördert worden. Auch eine Flöte war unter den Fundstücken. Eine hinreichende Erklärung für diese Konzentration gebe es bisher nicht.

Etwa ebenso alt wie die Schnitzereien mit Mammutelfenbein und Tierknochen auf der Schwäbischen Alb sind die Höhlenzeichnungen in Frankreich - etwa bei Chauvet im Flusstal der Ardèche. Es werden dort wie hier mehr oder weniger dieselben Tiere dargestellt, eben solche, die für diese Menschen zum Leben und zum Überleben gehörten. Ob es tatsächlich einen Austausch gab, ist fraglich. Klar aber sei, sagt Floss, dass Rhone-, Rhein- und Donautal Hauptwanderachsen der damaligen Menschen gewesen seien. Sowohl das Lonetal im Kreis Heidenheim als auch das Achtal bei Schelklingen sind Nebentäler der Donau. Und Migration gehörte auch zum Leben der Eiszeitmenschen.

Diese Kunst hatte in der damaligen, sicherlich unwirtlichen Zeit auch etwas mit Schamanismus zu tun. Dies belegten jedenfalls Darstellungen wie der Löwenmensch vom Hohlenstein-Stadel im Lonetal. Es könnte sich also hier um Dokumente der Kommunikation mit einer Geisterwelt im Jenseits handeln. Insgesamt ist die Symbolik der Figuren, seien es Tier- oder Mensch-Darstellungen, noch keineswegs völlig enträtselt.

Lange Zeit war Frankreich führend in der Archäologie. Deutschland stieg erst spät ein. So wurde 1931 zufällig die Vogelherdhöhle entdeckt. Der erste Ausgräber Gustav Riek machte sich mit grobem Gerät ans Werk und holte viel Steinschutt aus der Höhle. Heute findet man die schönsten Zeugnisse eiszeitlicher Kunst in der Abraumhalde Rieks vor der Höhle. Die reichlichen Funde brachten den deutschen Ausgräbern inzwischen internationales Renommee.

Man könne die Menschen, die diese Figuren vor bis zu 40 000 Jahren hergestellt haben, durchaus als Künstler bezeichnen, sagt Floss. Es seien die damaligen Kreativen gewesen.

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