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Neigung zur Selbstständigkeit

Gründerboom in Berlin hält an - über 20 000 neue Unternehmen

Der Berliner Gründerboom hält an. Im ersten Halbjahr 2011 registrierte die Bürgschaftsbank Berlin-Brandenburg (BBB) 20 707 Neugründungen, 5,3 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2010. Bezogen auf 10 000 Erwerbspersonen sind das 116,3. »Das ist der zweithöchste Gründerindex seit 1997, nur 2004 lag er höher«, bilanzierte gestern BBB-Geschäftsführerin Waltraud Wolf. Damit liegt Berlin rund 50 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Der Vorsprung gegenüber dem Bund ist 2011 noch größer geworden.

Der Zuwachs speist sich vor allem aus Kleinstbetrieben mit nur einem Beschäftigten. Neugründungen mit mehr Mitarbeitern haben lediglich einen Anteil von 16 Prozent, der Gründerindex liegt bei diesen Firmen aber ebenfalls um die Hälfte über dem im Bundesgebiet. »In Berlin besteht eine relativ große Neigung, sich selbstständig zu machen«, so Wolf. Das stärke den Ruf als Gründermetropole.

Die Ursache für diese Entwicklung sieht sie in guten Rahmenbedingungen, Gründer könnten auf Netzwerke von Forschungs- und Bildungseinrichtungen sowie gut ausgebildete Fachkräfte zurückgreifen, Gewerbemieten seien vergleichsweise günstig. Allerdings spiele auch die Erwerbslosigkeit eine Rolle. »Mangels Alternative wählen viele Erwerbslose die Selbstständigkeit«, sagte Wolf. Als ab 2004 dies mit neuen arbeitsmarktpolitischen Instrumenten gefördert wurde, schnellten die Zahlen in die Höhe.

Die Neugründungen erfolgten im ersten Halbjahr 2011 vor allem im Baubereich und Einzelhandel, erst an dritter Stelle folgen die für Berlin typischen Dienstleistungen. Aber auch das verarbeitende Gewerbe hat zugelegt. Jeder zweite Neugründer hat sich 2010 in einem der vier Innenstadtbezirke angesiedelt. Spitzenreiter ist Mitte, gefolgt von Charlottenburg-Wilmersdorf und Friedrichshain-Kreuzberg. »Gründer ziehen automatisch dorthin, wo sich bereits viel Gewerbe angesiedelt hat«, erklärte Wolf. Das bedeute nicht, dass Randgebiete für immer abgehängt seien. Welche Sogwirkung sie entfalten können, zeige etwa Oberschöneweide mit der Ansiedlung der Hochschule für Technik und Wirtschaft. Gemessen an der Zahl bereits existierender Betriebe sei die Gründungsquote in Neukölln seit Jahren am höchsten. Wolf hat deshalb auch für Marzahn-Hellersdorf und Reinickendorf Hoffnung.

Stillgelegt wurden im ersten Halbjahr 13 546 Betriebe (plus 8 Prozent). Unterm Strich blieb also ein Positivsaldo von über 7100 Betrieben. Besonders Kleingewerbe meldete sich ab (plus 24 Prozent). Bei der Bürgschaftsbank vermutet man, dass daran die besseren Aussichten auf dem Arbeitsmarkt schuld sind und Kleinunternehmer lieber wieder als abhängig Beschäftigte arbeiteten.

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