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Land unter in Venedig

Die Lagunenstadt versinkt weiter im Meer und kippt leicht

Neueste Messungen belegen, dass der Untergrund der Lagunenstadt Venedig sich stetig weiter absenkt. Umweltschützer fürchten eine Zunahme der Hochwassergefahr.

Venedig ist eine Touristenattraktion. Jedes Jahr besuchen weit über zehn Millionen Menschen die auf 118 Inseln erbaute italienische Lagunenstadt, die wegen ihrer einzigartigen Baustruktur zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört. Denn die Gebäude dort stehen großenteils auf dicken Holzpfählen, die man schon vor Jahrhunderten in den schlammigen Uferboden gerammt und mit Lehm zusätzlich stabilisiert hat. Dass die Pfähle seitdem selbst bei Ebbe ganz von Salzwasser umspült werden, hat den Vorteil, dass ihnen Fäulnisbakterien nichts anhaben können. Die Pfähle sind daher im Laufe der Zeit so hart geworden wie Stein.

Dennoch ist das solide Fundament Venedigs bedroht: Der Untergrund, auf dem die Stadt steht, senkt sich nämlich seit Jahrzehnten ab - allein zwischen den Jahren 1950 und 1970 um zwölf Zentimeter.

Als Ursache dafür wurde zunächst das permanente Abpumpen des Grundwassers unter der Lagunenstadt vermutet, weswegen man damit vor einigen Jahren aufhörte. Und tatsächlich schien es so, als ließe sich auf diese Weise ein weiteres Absinken des Lagunenbodens stoppen.

Doch die Freude war verfrüht, wie eine Forschergruppe um den US-amerikanischen Ozeanografen Yehuda Bock jetzt mit Hilfe von GPS-Daten und satellitengestützten Radarmessungen nachgewiesen hat: Der Untergrund Venedigs sinkt weiter - um rund zwei Millimeter pro Jahr. Im Gegenzug steigt der Meeresspiegel aufgrund der globalen Erderwärmung um den gleichen Betrag an. Folglich dürfte dann in zwei Jahrzehnten der Wasserspiegel in Venedig um acht Zentimeter höher liegen als heute. Außerdem stellten die Forscher fest, dass sich die Stadt pro Jahr um einige Millimeter nach Osten neigt.

Die Gefährdung Venedigs führt Bock unter anderem auf die Plattentektonik zurück. Denn die Adriatische Platte, auf welcher die Lagunenstadt liegt, schiebt sich mit einer Geschwindigkeit von vier bis sechs Millimetern pro Jahr unter das restliche Italien und den Apennin, wodurch sich gleichzeitig der Meeresboden in der nördlichen Adria leicht absenkt.

Allerdings kann nur ein Teil der gemessenen Absenkung plattentektonisch erklärt werden. Möglicherweise sei der Boden wegen der Grundwasserentnahme noch immer nicht zur Ruhe gekommen, meint Bock, dessen Fachkollegen überdies vermuten, dass sich durch das Ausbaggern von Schifffahrtswegen innerhalb der Lagune der Sedimentverlust und damit das Absinken Venedigs weiter beschleunigen werden.

Um zumindest der ständigen Hochwassergefahr begegnen zu können, hat man in Venedig im Jahr 2004 mit dem Bau eines nahezu fünf Milliarden Euro teuren Schleusensystems begonnen. Dieses besteht aus 78 gigantischen mobilen Deich-Modulen, die künftig den Eingang der Lagune bei einer drohenden Überflutung versperren sollen.

Umweltschützer befürchten jedoch, dass auf Grund der globalen Erderwärmung die Hochwassergefahr in Venedig stark zunehmen wird, so dass man die Schleusentore über Monate hinweg geschlossen halten müsste. Weil die Stadt in solchen Zeiten vom Frischwasser abgeschnitten wäre, könnte sie sich rasch in eine Kloake verwandeln. In zwei Jahren bereits soll das Schleusensystem in Betrieb gehen.

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