Unschuldig zu lebenslanger Haft verurteilt

Jens Söring klagt den US-amerikanischen Strafvollzug an und hofft auf Unterstützung durch die Bundesregierung

  • Von Olaf Neumann
  • Lesedauer: ca. 3.0 Min.

Seit 26 Jahren sitzt der Deutsche Jens Söring im US-Bundesstaat Virginia in Haft, obwohl es begründete Zweifel an seiner Schuld gibt. Im Gefängnis wurde der heute 46-Jährige zum engagierten Schriftsteller. In seinem achten Buch »Nicht schuldig! Wie ich zum Opfer der US-Justiz wurde« (Droemer, 399 S., geb., 19,99 €) erzählt er erstmals seine tragische Geschichte: wie ein in Liebesdingen unerfahrener Student einer drogenabhängigen Kommilitonin verfällt. Der Diplomatensohn nahm die Morde an den Eltern seiner Freundin auf sich.

nd: Herr Söring, können Sie sich noch in den 18-jährigen Jens von damals hineinversetzen?
Söring: Natürlich kann ich das, denn mein Leben hat ja gewissermaßen 1986 ein Ende gefunden. Das Gefängnis ist eine Art lebender Tod; wir sind hier wie Geister oder Gespenster, wir sind irgendwie noch in Ihrer Welt und zugleich wiederum nicht.

Wer in den USA zu lebenslänglich verurteilt wird, muss wirklich lebenslänglich schmoren.
Das ist das wirklich Unerträgliche, Tödliche am Lebenslänglich: die Unmöglichkeit der Hoffnung. Jeder Tag wird zur Qual, jede Stunde zur Tortur, jede Minute zur Folter. Man will nur noch weg aus dem sich nie verändernden Jetzt.

Trotz allem bezeichnen Sie sich als Gesegneter.
Während meiner schon 26-jährigen Haft hat es immer Menschen gegeben, die mich geliebt haben und mir schrieben, mich besuchten, mir halfen. Ich war nie allein. Zweitens habe ich es nie geschafft, das Gerichtsurteil von 1990 zu akzeptieren. Ich bin...



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