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Der Bulldozer

Schaul Mofas ist neuer Chef der Kadima- Partei und damit Israels Oppositionsführer

Schaul Mofas wird für die nächstes Jahr anstehenden Parlamentswahlen in Israel als Herausforderer des Ministerpräsidenten gehandelt. So meldete es seine Kadima-Partei - die größte Oppositionsformation im Parlament - am Mittwoch, und so möchte sie es wohl auch dem israelischen Wähler kommunizieren. Doch bei halbwegs realistischer Sicht kann nicht einmal Mofas selbst an einen Wahlsieg glauben. Dem gegenwärtigen Premier Benjamin Netanjahu ist er in puncto Popularität und Redegewandtheit unterlegen. Mofas hätte allenfalls mit einem alternativen Politikansatz eine Chance, beim Wähler Beachtung zu finden. Nach seiner Wahl zum neuen Vorsitzenden der Kadima-Partei am Dienstagabend kündigte er einen »neuen Weg« an, mit dem er Netanjahu »angreifen« wolle.

Seine berufliche und politische Vergangenheit lässt aber keinerlei Rückschlüsse darauf zu, dass von Mofas alternative Ansätze zu den Kernfragen des Nahostkonflikts zu erwarten wären. Er hat es als Militär in Israel bis ganz nach oben geschafft, pflegt eine entsprechend schroffe Sprache, wenn es um die Palästinenser geht.

Mofas, 1948 in Teheran geboren, wanderte 1957 mit seinen Eltern nach Israel ein. 1966 ging er zur Armee, nahm als Fallschirmjäger an allen israelischen Kriegen teil, wurde 1988 Brigadegeneral und 1997 Generalstabschef - in Israel ein ideales Sprungbrett in höchste politische Ämter. So wurde Mofas 2002 Transportminister, was in Israel ein viel weniger ziviles Amt ist als anderswo, danach bis 2009 Verteidigungsminister.

Wenn es nach Mofas' Ansicht gegangen wäre, hätte die Region wohl ein paar Verhandlungsrunden weniger und noch mehr Waffengänge erlebt. Mit Yasser Arafat, dem langjährigen Vorsitzenden der Palästinensischen Befreiungsbewegung, hätte Mofas an Israels Stelle nach eigener Aussage nie verhandelt. Krieg gegen Iran wollte er schon 2008 führen, und selbst gemäßigte israelische Politiker bemerken, dass Mofas immer der erste war, der nach Bulldozern rief, um nach den Maßgaben der Sippenhaftung palästinensische Familien von Guerilleros mit dem Abriss ihrer Wohnstätten zu bestrafen.


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