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Die Skelette der Schlacht von Wittstock

Ausstellung im Archäologischen Museum zeigt sensationellen Fund aus dem Dreißigjährigen Krieg

  • Von Gudrun Janicke, dpa
  • Lesedauer: 2 Min.
Es war eine Sensation: Im Jahr 2007 wurde bei Wittstock in einer Sandgrube ein Massengrab entdeckt. Die Skelette von 125 Soldaten, die bei der legendären Entscheidungsschlacht im 30-Jährigen Krieg ihr Leben ließen, wurden ans Tageslicht gefördert. Der Fund bot Forschern Gelegenheit, die Schlacht aus einem neuen ungewöhnlichen Blickwinkel zu rekonstruieren: aus der Sicht des einfachen Soldaten.

Im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg/Havel im Paulikloster wurden gestern die Ergebnisse präsentiert. Am Freitag wird dann die Ausstellung unter dem Titel »1636 - Die letzte Schlacht« eröffnet. Sie dokumentiert die Entdeckung und Erforschung des europaweit größten und mittlerweile am besten untersuchte Massengrabs aus dem 30-Jährigen Krieg.

Verschiedene wissenschaftliche Disziplinen - Forensiker, Pathologen, Archäologen und Kunsthistoriker -trugen zum Gelingen bei. Nach Ansicht von Landesarchäologe Franz Schopper setzte die interdisziplinäre Untersuchung Maßstäbe. Die Schlachtfeldarchäologie sei einen großen Schritt vorangekommen.

Nach der Entdeckung waren die Skelette sorgfältig freigelegt worden. Zum Teil wurde der Sand gesiebt, um auch noch so kleine Knöchelchen zu bergen. Jeder Arbeitsschritt der Archäologen wurde fotografiert. Aus dem einst etwa 6 mal 3,50 Meter großen Massengrab wurden 88 Skelette und viele einzelne Knochen weiterer Menschen geborgen. Etwa 125 Tote waren im Oktober 1636 hier bestattet worden.

Wissenschaftler erkundeten in den vergangenen Jahren, wer die Soldaten waren. Untersucht wurde, an welchen Verletzungen sie starben. Die Persönlichkeit der vor langer Zeit ums Leben gekommenen Menschen soll durch die dreidimensional rekonstruierten Gesichter deutlich werden.

Die Schlacht von Wittstock vom 4. Oktober 1636 war eine der blutigsten Entscheidungsschlachten des 30-jährigen Krieges. Dem mit 23 000 Mann zahlenmäßig überlegenen kaiserlich-sächsischen Heer unter General Melchior von Hatzfeld und Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen standen 19 000 Schweden gegenüber. Ihr Feldmarschall Johann Banér nutzte die Umgehungstaktik. Da ein frontaler Angriff erfolglos geblieben wäre, teilte er seine Truppe. Ein Teil machte sich auf den Weg nach Westen, die andere Gruppe umging die feindlichen Stellungen östlich, außerhalb der Sicht der Gegner. Kurz vor Sonnenuntergang griffen beide Gruppen an.

Nach ihrem Sieg richteten die Schweden ein Blutbad an. Mehr als 8000 Soldaten verloren ihr Leben. 1648 wurde der Westfälische Friede geschlossen.

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