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Einheitliches Notrufsystem verzögert sich weiter

Streit innerhalb der EU-Kommission / Autohersteller wollen eigene Projekte durchsetzen

  • Von Kay Wagner, Brüssel
  • Lesedauer: 3 Min.

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Ein automatischer Notruf aus dem Auto soll künftig bei jedem Pkw-Unfall in der EU die nächstgelegenen Rettungsdienste benachrichtigen. Doch die Automobil-Lobby hat das Vorhaben erneut verzögert. Sie fürchtet um ihre eigenen Systeme - und ihren Profit.

Es geht um Unfälle, Verletzte und Menschenleben. Und vor allem um das Tempo, mit dem Nothelfer nach einem Autounfall am Ort des Geschehens sein können. eCall heißt das System, das die EU dafür entwickelt. Hat sich ein Unfall ereignet, löst das im Auto eingebaute eCall-System automatisch einen Notruf aus, der bei der nächstgelegenen Notfallstelle eintrifft. Bis zu 60 Prozent schneller als bisher könnten Rettungskräfte dann den Verunglückten helfen, bis zu 2500 Menschenleben pro Jahr auf diese Art gerettet werden. So gibt es die EU an.

Eigentlich sollte das System schon 2011 in verschiedenen EU-Staaten starten, jetzt ist 2016 das Ziel. Nicht nur technische Probleme sorgten für Verzögerungen. Es droht ein neuer Streit innerhalb der EU-Kommission.

Grob gesehen geht es um die Frage, welche Interessen wichtiger sind: die der EU-Bürger oder jene einiger Automobilhersteller und ihrer Kunden? Oder anders: ein System für alle oder mehrere Systeme nebeneinander?

In der EU-Kommission ist man sich darüber nicht einig. Die Abteilung, die sich mit Industrie- und Unternehmenspolitik beschäftigt, arbeitete eine erste Version eines Gesetzesvorschlages für eCall aus. Doch die Abteilungen für Verkehr und für Informationstechnologien wiesen den Vorschlag der Industriekollegen zurück. Diese hatten nämlich vorgesehen, dass ein Pkw nicht verpflichtend mit eCall ausgerüstet werden müsse, wenn der Hersteller bereits ein eigenes automatisches Notrufsystem im Auto habe.

Solche Systeme sind mittlerweile von mehreren Pkw-Produzenten entwickelt worden. Sie erfüllen zurzeit nicht immer alle Voraussetzungen, um dem Standard von eCall zu entsprechen. So geht der Notruf von einigen Autoherstellern nicht automatisch zum nächstgelegenen Rettungsdienst, sondern zu privaten Vertragspartnern. Kritiker innerhalb der EU-Kommission sehen darin eine Schwäche. Denn erstens könnte es sein, dass es nicht überall in Europa Vertragspartner gebe. Und zweitens sei die Frage, ob diese privaten Dienstleistungen die gesamte Lebenszeit eines Pkw angeboten werden. Öffentliche Rettungsdienste seien dagegen in allen EU-Staaten vorhanden und würden auch in Zukunft mit Sicherheit bestehen.

Ein anderer Kritikpunkt: Die Datenmenge, die von den Notrufsystemen der Autohersteller ausgesendet wird, ist in einigen Fällen geringer als bei eCall. Die Aufrüstung der Systeme auf die Anforderungen der EU würde die Hersteller zusätzliches Geld kosten.

»Es muss erst ein öffentliches, flächendeckendes System für alle eingeführt werden, und danach sollen die Hersteller gerne ihre eigenen Systeme anbieten können«, kommentiert der Europa-Abgeordnete und CDU-Verkehrsexperte Dieter-Lebrecht Koch die jüngsten Streitigkeiten in der Kommission. Man müsse mit eCall jetzt zügig vorankommen, zum Nutzen der Menschen. Denn eCall in allen Autos bedeute weniger Tote auf Europas Straßen. Ein Ziel, dem sich die EU ganz offiziell verschrieben hat.

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