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Ratgeberin

Margarita Mathiopoulos, schillernde Plagiatorin

Als Willy Brandt, Freund ihrer aus Griechenland stammenden Familie, sie einst als Sprecherin in seine Dienste nehmen wollte, weckte das in Teilen der SPD derartigen Aufruhr, dass sie selbst Abstand nahm und Willy Brandt seine Parteiämter aufgab. 1987 war das, und die SPD von damals kann man beinahe als weitsichtig bezeichnen, denn nun ist auch Margarita Mathiopoulos des Plagiats überführt, der Doktortitel futsch. Allerdings galt der Unmut damals allein formalen Unvereinbarkeiten - dass Margarita Mathiopoulos parteilos war und sich privat zum CDU-Politiker Friedbert Pflüger hingezogen fühlte, den sie im selben Jahr auch heiratete.

Die bis dahin journalistisch arbeitende Frau wählte nach dem gescheiterten Experiment mit der Sozialdemokratie den indirekten Weg zur Macht, nämlich in die Denkzentralen von Instituten, Universitäten und Stiftungen, wo sie sich als Vortragsreisende, Gast- und Honorarprofessorin einen Namen machte - zu den Themen transatlantischer Außen- und Sicherheitspolitik. Ihre Doktorarbeit, in der sie einen Vergleich politischen Denkens in den USA und Europa anstellte, war hierfür wohl eine gute Grundlage. Dass diese nun als Plagiatssammlung identifiziert ist, mag für die Stanford University, das Aspen-Institut und auch mehrere deutsche Hochschulen nachträglich peinlich sein.

Ob das auch für sie gilt, ist nicht sicher. Ihre Anwälte haben Widerstand angekündigt. Wie erfolgreich die heute 56-Jährige ihren Vortrags- und Beraterjob tat, mag die Summe von 157 000 Euro veranschaulichen, die sie nach der Scheidung von Friedbert Pflüger 2006 diesem als Zugewinnausgleich zahlen musste, der in der Zwischenzeit immerhin auch einige gut bezahlte Anstellungen gefunden hatte, etwa als Mitarbeiter von Bundespräsident Richard von Weizsäcker und Staatssekretär im Verteidigungsministerium.

Die FDP, deren Mitglied und Ratgeberin Margarita Mathiopoulos mittlerweile ist, hat mehrere Fälle zu den sich häufenden Plagiatsfällen in der deutschen Politik beigesteuert. Der Partei ist es wohl kein Trost, dass der jüngste um ein Haar der SPD auf die Füße gefallen wäre.

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