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Riesige Scheibe am nächtlichen Himmel

PLANETEN, STERNE, MOND und SONNE im MAI: Der Mond kommt der Erde am 6. besonders nahe

  • Von Hans-Ullrich Keller, dpa
  • Lesedauer: 4 Min.

Im Mai ist die größte Vollmondscheibe des Jahres zu erleben - was besonders bei Mondaufgang und Monduntergang eindrucksvoll wirkt. Die Vollmondphase tritt am 6. um 5.35 Uhr ein. Der Mond steht dann im Sternbild Waage. Am gleichen Tag befindet sich der Mond mit 356 960 Kilometern Entfernung in Erdnähe. Das Zusammenfallen von Vollmond und Erdnähe führt zu extrem starken Gezeiten. Springfluten an den Küsten sind zu erwarten. In Erdferne hält sich der Mond mit 406 450 Kilometern Distanz am 19. auf.

Am 21. kommt der Erdtrabant um 1.47 Uhr in Neumondposition. Da der Neumond die Erdbahnebene von Nord nach Süd kreuzt, zieht er vor der Sonne vorbei, es ereignet sich eine ringförmige Sonnenfinsternis. Allerdings lässt sie sich nicht von Mitteleuropa aus, sondern in Ostasien, im Nordpazifik und in weiten Gebieten Nordamerikas beobachten.

Die Venus zieht im Mai als weitaus hellstes Gestirn noch die Blicke auf sich. Zu Monatsbeginn strahlt sie am westlichen Abendhimmel in maximalem Glanz. Ihr scheinbarer Durchmesser wächst rasch an, weil sie sich der Erde schnell nähert. Im Teleskop oder Fernglas erkennt man ab etwa zwanzigfacher Vergrößerung eine Sichel, die im Laufe des Monats größer und schlanker wird.

Gegen Ende Mai verabschiedet sich Venus vom Abendhimmel. In der Nacht vom 5. auf 6. Juni wird sie die Erde bei ihrem Lauf um die Sonne überholen. Dabei zieht sie zwischen uns und der Sonne vorbei. Venus erscheint dann als dunkler Punkt vor der Sonne, der Fachmann spricht von einem Venustransit. Solche Vorübergänge der Venus sind seltene Ereignisse: Der nächste Venustransit findet erst in 105 Jahren statt.

Mars im Sternbild Löwe ist Planet der ersten Nachthälfte. Aus der zweiten Nachthälfte zieht sich der rote Planet allmählich zurück. Geht Mars Anfang Mai noch eine Viertelstunde nach vier Uhr morgens unter, so sinkt er am Monatsende bereits um halb drei Uhr unter die westliche Horizontlinie. Zwar nimmt die Helligkeit des Planeten merklich ab, er bleibt aber heller als die hellen Frühlingssterne Regulus im Löwen und Spica in der Jungfrau. Nur der orange Arktur im Sternbild Rinderhirt übertrifft Mars um eine halbe Größenklasse an Glanz.

Als zweiter heller Planet beherrscht Saturn im Sternbild Jungfrau den Nachthimmel. Der Ringplanet hält sich nahe der Spica auf, dem bläulichen Hauptstern der Jungfrau. Jupiter wird Mitte Mai von der Sonne überholt. Am 13. steht der Riesenplanet in Konjunktion mit ihr. Er befindet sich somit am Taghimmel und bleibt nachts unter dem Horizont. Auch der flinke Merkur entzieht sich unseren Blicken.

Zu Monatsbeginn flammen die Sternschnuppen der Mai-Aquariden auf. Der Meteorstrom hat seinen Namen vom Sternbild Wassermann, in dem der Ausstrahlungspunkt der Aquariden-Meteore liegt. Das ausgeprägte Maximum wird am 5. Mai erreicht. Im Durchschnitt sind etwa 20 Sternschnuppen pro Stunde zu erwarten, um die Zeit des Maximums sogar bis zu 60.

Es handelt sich um schnelle Sternschnuppen mit Geschwindigkeiten um 65 Kilometer pro Sekunde. Sie hinterlassen lange Leuchtspuren. Ihren Ursprung führen die Mai-Aquariden auf den Halleyschen Kometen zurück. Besonders leicht zu finden ist im Mai der Große Wagen. Er steht am Abendhimmel senkrecht über unseren Köpfen. Folgt man mit den Augen dem Schwung der Wagendeichsel, so trifft man hoch im Süden auf den orange-roten Arktur, den Hauptstern des Bootes. Das Sternbild Bootes ist recht markant und lässt sich leicht einprägen. Es sieht aus wie ein großer Papierdrachen.

Der Löwe hat die Mittagslinie schon überschritten und neigt sich dem Westhorizont zu. In der Osthälfte des Himmelsgewölbes fällt neben dem Bootes ein Sternenhalbkreis ins Auge. Er deutet die Nördliche Krone an. Der etwas hellere Stern im Halbkreis heißt Gemma. Der Name kommt aus dem Lateinischen und bedeutet schlicht Edelstein.

Im Nordosten strahlen die bläuliche Wega in der Leier und der ferne Deneb im Schwan, zwei Eckpunkte des Sommerdreiecks. Der Dritte im Bunde, Atair im Adler, geht erst im Laufe der Nacht auf. Tief im Nordwesten funkelt Kapella im Fuhrmann. Sie ist der hellste Stern, der bei uns zirkumpolar ist - also ganzjährig sichtbar.

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