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Der Segen von oben landet im Wasser

Bürgerinitiativen erörterten neuerlich ihre Sorgen mit dem Flughafen Schönefeld

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Der Saal der Stadthalle in Erkner erwies sich als viel zu klein für das Treffen. Bürgerinitiativen hatten eingeladen, um gemeinsam mit Betroffenen darüber zu reden, was in einem reichlichen Monat an Belastungen auf die Region zukommt, wenn der Flughafen »Willy Brandt« in Schönefeld eröffnet wird. Wegen des Andrangs mussten die Türen offen gelassen werden, so dass Interessierte wenigstens vom Parkplatz aus den Ausführungen folgen konnten. Die Veranstalter zählten rund 250 Besucher - nicht nur aus der Stadt selbst, sondern zum Beispiel auch aus Schmöckwitz, Karolinenhof, Woltersdorf, Müggelheim, Wernsdorf und Fangschleuse.

Trotz mancher Zusagen und Versprechungen der Politik habe sich, was die Einschränkungen der Lebensqualität durch den Flughafen betrifft, kaum etwas geändert, hieß es. Das Ganze sei so, als hätte man jemandem den Daumen in den Schraubstock eingeklemmt und verkündige ihm dann, was für tolle Schmerzmittel es gebe, meine eine Dame verärgert. Schönefeld bleibe die schlechteste von einstmals sechs debattierten Standorten. Man geht allerdings nahezu einhellig davon aus, dass der Protest sich drastisch verstärken wird, wenn die Anwohner demnächst mit den Realitäten konfrontiert werden, nicht nur mit Warnungen, Zahlen und Beschwichtigungen.

Die Region sei in einer Sandwichlage zwischen Nord- und Südbahn und somit einer Doppelbelastung von Starts und Landungen ausgesetzt. Da müsse man mit 1000 Überflügen am Tage und bis zu 113 Flügen in der Nacht rechnen. Sollten die Kapazitäten mit 550 000 Starts und Landungen im Jahr erweitert werde, dann seien 200 000 Menschen betroffen - und zwar zwischen Schöneiche im Osten und Ludwigfelde im Westen.

Derzeit sind rings um Erkner Flughöhen von 800 bis 1200 Meter geplant, die allerdings schon jetzt nicht eingehalten werden, wie mehrfach festgestellt wurde. Die an die Wand des Saals projizierten Flugbewegungen von einem einzigen Tag des vorigen Jahres machten deutlich, dass es sich um ein ständiges Kreuz und Quer handelt, um ein beinahe flächendeckendes Geschehen.

»Alles, was an Segen von oben kommt, landet auch im Trinkwasser«, sagte ein Redner, nicht nur Stickoxide und Kohlenwasserstoffe, sondern auch Rußpartikel, Rückstände von Enteisungsmitteln und anderes, alles im drei- bis vierstelligen Tonnenbereich. Im Schnitt komme auf 27 500 Flüge ein Ablass von Kerosin. Ab Juni wird es deswegen durchschnittlich sieben Mal pro Jahr zu Kerosin-regen kommen.

Die Bürgerinitiativen machten darauf aufmerksam, dass viele Probleme, die mit dem Fluglärm zusammenhängen, noch immer nicht geklärt sind. Eine Demonstration im Saal, wie man sich im nächtlichen Erkner gemessene 70 Dezibel Lärm vorstellen müsste, misslang. Das Messgerät schaltete sich bereits bei 40 Dezibel ab. Es gibt natürlich offizielle Messungen. Doch die basieren auf dem ganzen Tag und einem Durchschnitt, der das anrückende Flugzeug schon am Horizont misst und die Zeiten ohne Überflug mit einbezieht. So werden nach Behördenansicht erträgliche 47,8 Dezibel erreicht. Den Initiativen kommt es aber auf die Spitzenpegel an, die den Menschen am meisten belasten. Es wurde empfohlen, dass sich die Gemeinden eigene geeichte Messgeräte anschaffen, um die jeweiligen Belastungen nachweisen zu können. Da Kauf und Betrieb etwa 20 000 Euro kosten, kündigten Bürgerinitiativen an, das mitzufinanzieren. Auch Firmen haben signalisiert, sich mit erheblichen Summen beteiligen zu wollen.

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