Klaus Bellin 10.05.2012 / Kultur

Lexikon und Gedächtnis

Am 10. Mai 1933 brannten Bücher

Einer stand da und sah alles mit an: den Scheiterhaufen, die lodernden Flammen, das johlende studentische Volk in SA-Kluft. Er sah, wie zur Stimme des Rufers auf dem Berliner Opernplatz Bücher ins Feuer flogen, Bücher der Freunde, der Kollegen und auch die eigenen. Eine Frau erkannte ihn und rief: »Da ist ja der Kästner«. Er verschwand schnell in der Dunkelheit. Ein anderer, Kurt Tucholsky, schon lang nicht mehr in Deutschland, schrieb im fernen Schweden: »In Frankfurt haben sie unsere Bücher auf einem Ochsenkarren zum Richtplatz geschleift. Wie ein Trachtenverein von Oberlehrern.« Er werde nun langsam größenwahnsinnig, setzte er hinzu, »wenn ich zu lesen bekomme, wie ich Deutschland ruiniert habe«. Einen dritten, den bayerischen Erzähler Oskar Maria Graf, haben die Nazis nicht vollends verdammen wollen. Ein Teil seiner Romane, dachten sie, würde auch in ihre neue Zeit passen. »Verbrennt mich!« rief er ihnen voller Empörung zu: »Verbrennt die Werke des deutschen Geistes! Er selber wird unauslöschlich sein wie eure Schmach.«

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