Werbung

Krise eröffnet Chancen

Kommentar von Martin Ling

Über den quantitativen Erfolg des »Globalen Aktionstages« lässt sich streiten: In über 50 Ländern von Spanien über Israel bis hin zu Indonesien gingen von wenigen Tausend bis zu vielen zehntausend Menschen auf die Straßen. Doch die Kernforderung, ein »unbedingtes Ende der Sparpolitik, die nur einer Minderheit nutzt«, wird von weit mehr Menschen geteilt als sich aufraffen können, auf die Straße zu gehen.

Den größten Zulauf gab es in Spanien, wo sich die Bewegung M-15 seit einem Jahr im Alltag etabliert hat. »Zuhause vor dem Fernseher gibt es sicher keine Zukunft!« So antwortete ein 49-jähriger »Empörter« auf die Frage nach seiner Motivation, am Aktionstag teilzunehmen. Es ist dieser verbreitete Realismus, in dem eine Chance für die globale »Occupy-Bewegung« liegt. Illusionen, dass sich die Weltordnung schnell von unten aus den Angeln heben lässt, werden weder geschürt noch gepflegt. Stattdessen wird vor allem an praktischen Problemen und Bedürfnissen angesetzt: Räumungen werden kollektiv verhindert, Netzwerke gegenseitiger Hilfe geschaffen oder wie in Griechenland mit der Kartoffelrevolution Bauern wie Konsumenten geholfen, indem per internetbasiertem Direktverkauf der Zwischenhandel ausgeschaltet wird. Es sind bescheidene Ansätze für eine andere, solidarischere Welt, aber sie sind wegweisend. Sie zeigen, wie die Krise als Chance genutzt werden kann. Etwas, wobei die Politik von oben bisher versagt hat: Der jüngste Spekulationsfall in der US-Großbank JPMorgan Chase illustriert das zum wiederholten Male.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln