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Blätter sind nicht selten die schöneren Blüten

GARTEN: Buntnessel und Perückenstrauch entzücken eine farbenprächtige Laubzeit lang

  • Von Brigitte Müller, Hobbygärtnerin und Umweltautorin
  • Lesedauer: 3 Min.

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Farben gehören zweifellos zu den Stimmungsmachern im Garten. Doch viele denken bei der Gestaltung in ihrem Refugium dabei zuerst und nicht selten ausschließlich an die Blüten. Und selbige sollen natürlich groß und üppig sein. Die meisten Pflanzen aber, die wir zur Zierde in unsere Obhut nehmen, ob Staude, Strauch oder Baum, haben im Jahreslauf vor allem Blattwerk - Blüten sind nur für einige Zeit ihr schmückendes Beiwerk.

Flieder ist für mich ein besonderes Beispiel kurzlebiger Schönheit. Ein paar Wochen trumpft er mit reizvollen Blüten und wunderbarem Duft auf. Aber vorher und nachher sieht er einfach etwas fade aus. In einer gemischten Blütenhecke ist er sicher gut aufgehoben, aber wenn er allein steht, muss man sich was einfallen lassen, damit er nicht die meiste Zeit als Langweiler herumsteht.

Dagegen ist zum Beispiel der Perückenstrauch (Cotinus) vom Blattaustrieb bis zum -fall ein ausgesprochener Blickfang. Besonders dunkellaubige Exemplare faszinieren allein durch ihr Laub, das durch verschiedenen Lichteinfall seine Farbe wechselt von mattem Purpur zu leuchtendem Rot im Gegenlicht. Die Blüten als Schmuck sind Cotinus nicht wichtig, aber seine Fruchtstände, die mit üppigem »Haarwuchs« auftrumpfen, schwingen sich als wuschlige Dolden lange über die Blätter und verhalfen dem Gewächs zu seinem deutschen Namen.

Dass Blätter nicht selten stärker die Erscheinung von Pflanzen prägen als ihre Blüten, beweist auch die Familie Solenostemon. Bemalte Nesseln oder Buntnesseln, deren Eltern Mitte des 19. Jahrhundert aus heißen Gefilden Asiens, Afrikas und Indiens nach Europa gebracht wurden, hatten vor über 100 Jahren ihren ersten großen Auftritt als Zimmerpflanze. Züchter zauberten immer neue Blattmuster und -formen sowie Farbkombinationen.

Ihren Creationen gaben sie Namen von Kaisern und Fürsten. Doch so wie sich deren Zeit dem Ende neigte, war es auch mit der Beliebtheit der Buntnesseln für lange vorbei. Aber seit gut einem Jahrzehnt sind sie mit ihren zwei- und dreifarbigen Blättern wieder beliebt. Bis 1999 trug übrigens dieser Lippenblütler den botanischen Namen Coleus, den Wissenschaftler der Botanik aber für nicht mehr zutreffend in seiner Zuordnung fanden. Der Name Nessel ist allerdings auch kein Verwandtschaftshinweis auf die Brennnessel.

Buntnesseln sind anspruchslos und robust, die auf Balkonien ebenso gedeihen wie im Garten, im Zimmer sowieso. Nur heiße Sonne auf der Südseite ist nicht nach ihrem Geschmack, sie bleicht die Farben aus, und auf zu wenig Wasser wird mit Blattverlust reagiert. Kalte Sommer sind auch nicht ihre Welt (aber wer mag solche Ungemütlichkeit schon?).

Damit dieses Florakind schön kompakt wächst, sollten die Triebe immer mal wieder entspitzt werden. Natürlich kann man Buntnesseln auch blühen lassen, aber sie bleiben schöner, wenn man die unscheinbaren Blüten im Ansatz ausbricht. Schließlich kommt es uns ja auf das Blattfeuerwerk an. Und wer ein besonders schönes Exemplar gern auch im nächsten Jahr haben möchte, kann einfach über Stecklinge Ableger ziehen, die im Wasser willig in etwa zwei Wochen wurzeln und dann eingetopft werden. Für Liebhaber von Hochstämmen eignen sich Buntnesseln wegen ihres Mitteltriebes ebenfalls; alle Seitentriebe werden bis zur gewünschten Höhe der Krone entfernt, die dann durchs weitere Entspitzen geformt wird.

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Das Blättchen Heft 19/18