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Schalke 04 spielt an der Börse mit

Der Fußballbundesligist will mit einer Anleihe 50 Millionen Euro bei Anlegern einspielen

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 3 Min.

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Der hochverschuldete Champions-League-Teilnehmer FC Schalke 04 will sich mit neuen Schulden über die Börse sanieren.

Für Schalkes sportlichen Manager Horst Heldt war es ein Auswärtsspiel. Immerhin 50 Zuschauer waren gekommen, um der Pressekonferenz des Fußballbundesligisten im Japanhaus in Frankfurt am Main zu folgen. Thema war die Emission einer Mittelstandsanleihe, die der FC Schalke 04 ausgibt, der ein mittelständisches Unternehmen ist. »Die Emission ist für uns ein sinnvoller Schritt in eine schuldenfreie Zukunft«, begründete Finanzvorstand Peter Peters die Aufnahme neuer Schulden paradox. Satte 50 Millionen Euro will man einspielen.

Die Eckdaten: Anleger können die Anleihe ab dem 30. Mai bis zum 8. Juni zeichnen; der Zinssatz beträgt stolze 6,75 Prozent bei siebenjähriger Laufzeit. Mindestens 1000 Euro müssen Anleger auf den Tisch ihrer Bank legen, wenn sie eines der Wertpapiere kaufen möchten, das ab dem Sommer an der Frankfurter Börse gehandelten werden soll.

Schalke ist der erste deutsche Verein, der eine Unternehmensanleihe platziert, die an der Börse gehandelt werden kann. Bisher zapften Fußball-Clubs wie Schalke lediglich ihre Fans an, um über eine Fußballanleihe an frisches Geld zu kommen. Der verzockte Börsengang von Borussia Dortmund nahm den meisten Fußballfirmen die Lust auf ein Aktien-Spielchen auf dem Parkett. Im Oktober 2000 war die BVB-Aktie mit einem Preis von 11 Euro gestartet - Kurs aktuell trotz Meisterschaft und Pokalerfolg: rund 2 Euro.

Mit den Einnahmen aus der Unternehmensanleihe will Schalke nicht etwa teure Sparspieler kaufen, sondern alte Verbindlichkeiten durch neue ersetzen - zu besseren Konditionen. Ziel ist es laut Heldt, den vor allem durch den Stadionbau hoch verschuldeten Klub in einem Jahrzehnt von seinen Verbindlichkeiten komplett zu befreien. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg: Obwohl Schalke bereits in den vergangenen zwei Jahren angeblich 40 Millionen Euro an Verbindlichkeiten abbauen konnte, wird der Verein inklusive diverser Tochtergesellschaften noch immer von Schulden in Höhe von 228,6 Millionen Euro belastet.

Trotzdem fühlt man sich fit für den Gang an die Anleihen-Börse: In neun der vergangenen zehn Spielzeiten konnte sich Schalke für einen internationalen Wettbewerb qualifizieren; im Jahr 2011 knackten die Königsblauen erstmals die 200-Millionen-Euro-Umsatzmarke (Bayern München: 300 Millionen); vom neu ausgehandelten Fernseh-Vertrag wird man auch in Gelsenkirchen profitieren, und außerdem ist ein Ende des Zuschauerbooms nicht in Sicht.

Doch die Anleihe bleibt ein sehr riskantes Investment. Das signalisiert bereits der hohe Zinssatz - mehr als der kleine Zweitligist FC St. Pauli jüngst versprechen musste, um Geldgeber zu finden. Entsprechend schlecht fällt auch das Urteil der Creditreform Rating AG aus: ein mageres »BB« - Vorsicht: spekulative Anlage. Für Horst Heldt kein Thema: Wie zukunftsgerichtet die Ziele des FC Schalke 04 seien, zeige der Ausbau des Vereinsgeländes mit einem neuen Jugendleistungszentrum. Die Nachwuchskicker sollen in wenigen Jahren helfen, den Schuldenberg spielend abzutragen.

Lexikon

Fußballanleihen sind ganz normale Anleihen: Wertpapiere mit festgelegter Verzinsung (daher auch Rentenpapier), Laufzeit und Rückzahlungsverpflichtung, jedoch ohne Stimmrecht. Schon vor einigen Jahren entdeckten deutsche Klubs den Anleihemarkt als Finanzierungsquelle, darunter Schalke 04, Hertha BSC und Hansa Rostock. Mit dem geliehenen Geld wurden Stadien ausgebaut, alte Schulden getilgt oder wurde einfach nur der Verein für ein paar Monate finanziell über Wasser gehalten. hape

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