Musiktherapie bekommt in der Pflege mehr Bedeutung

  • Von Günter Queißer
  • Lesedauer: ca. 2.0 Min.
Áls vor einem Jahr in Berlin-Zehlendorf das erste Alzheimer-Tanzcafé eröffnet wurde, war man überrascht, welche Wirkung gerade Musik bei Menschen mit Demenz auslösen kann. Vertraute Melodien erklangen, und sogleich hellten sich die erstarrten Gesichter auf und entspannten sich. Einer nach dem anderen wagte sich aufs Parkett, zuerst noch unbeholfen, dann mit immer flüssiger werdenden Bewegungen. Gehbehinderte begannen an den Tischen zu schunkeln. So mancher pflegende Angehörige wollte seinen Augen nicht trauen, als er seinen Schützling in so gelöster Stimmung erlebte. Diese Menschen haben noch ein großes Bedürfnis nach Geselligkeit, wollen sich mitteilen, am Leben teilnehmen. Leider sind sie oft dazu verurteilt, stumpf vor sich hinzudämmern. Musik kann in der Tat bei alten, schwer erkrankten oder behinderten Menschen bis in die letzte Lebensphase hinein vieles bewirken. Musiktherapie gewinnt auch in der Pflege von Demenzkranken mehr und mehr an Bedeutung. Sie spricht bis zum Schluss Emotionen an, die unabhängig vom Zerfall körperlicher und geistiger Funktionen erhalten bleiben. Musik kann dazu beitragen, die letzte Lebensphase menschenwürdig zu gestalten. Durch gemeinsames Singen zum Beispiel werden Erfahrungen aus der Kinder- und Jugendzeit lebendig. Über solche Erinnerungen erhalten diese Menschen wieder Zugang zu sich selbst und auch zu anderen. Die Betreuer der Berliner Alzheimer Angehörigen-Initiative beispielsweise nutzen diese Möglichkeit, wo immer sie sich bietet. So wird in den Betreuungsgruppen viel gesungen. Von den 20 Modellprojekten »Altenhilfestrukturen der Zukunft«, die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ins Leben gerufen worden ist und mit denen neue Wege in der Altenhilfe erprobt werden sollen, befasst sich eines speziell mit Musiktherapie. »Musik spricht nicht unseren Intellekt, sondern direkt das Gefühl an«, erklärt Beate Mahns, die Leiterin des Modellprojekts »Abschiedsmusik« in Rendsburg. Das liege daran, dass Musik zu unseren frühesten Erfahrungen gehört. Wir hören zum Beispiel das Glucksen in der Fruchtblase, den Herzschlag der Mutter. Hinzu kämen später alle musikalischen Erfahrungen, die wir in entscheidenden Situationen machen. Sie seien bei uns auch am längsten abrufbar. Musiktherapie kann sowohl beruhigen als auch ermuntern und sollte täglich in der Pflege eingesetzt werden. Es gehe dabei aber nicht um Dauerbeschallung durch Musik, sondern um die direkte, individuelle Ansprache des Patienten. In der Einzelbetreuung werden Erinnerungen an die Kindheit oder an Familienereignisse wie die Heirat wach. Dabei kommt manches zu Tage, was längst verschüttet war. Mit Musik erreicht man Menschen, die sonst allein, verschlossen oder ängstlich sind. Musik sorgt für Entspannung im oftmals eintönigen Pflegealltag. Diese Therapie der Töne wird in Rendsburg durch ausgebildete Musiktherapeuten als Einzel- oder Gruppentherapie durchgeführt. Sie soll künftig auch im Pflegealltag vorgenommen werden - von qualifizierten Fachkräften. Das Modellprogramm läuft drei Jahre und soll bis zum Jahre 2003 fundierte Erkenntnisse über die ...

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