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Verspätung mit Ansage

Bahnstrecke Berlin-Rostock wird für ein halbes Jahr gesperrt

Auf Bahnpendler zwischen Rostock und Berlin kommt ein schwieriges halbes Jahr zu. Wie die Bahn mitteilte, wird die Strecke wegen Bauarbeiten vom 10. September an bis 26. April 2013 gesperrt. Alle Güter- und Fernverkehrszüge werden umgeleitet.

Was jetzt sogar Hans-Werner Franz, Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg, und Arvid Kämmerer, Deutsche Bahn Netz AG, als Drama bezeichnen, war längst überfällig: der Ausbau der Strecke Berlin-Rostock für Geschwindigkeiten bis zu 160 Kilometer pro Stunde. Bereits 2001 wurde er von der damaligen Bundesregierung unter Kanzler Gerhard Schröder (SPD) versprochen. Das geschah quasi als Gegenleistung für die Zustimmung des seinerzeitigen Ministerpräsidenten von Mecklenburg-Vorpommern, Harald Ringstorff (SPD), zur Rentenreform - ein Schritt, der übrigens in der damaligen SPD/PDS-Koalition in Schwerin eine Krise auslöste.

Kaum jemand erinnert sich noch an jenen Deal. Die Bürger müssen jetzt viel Zeit mitbringen, ehe das Versprechen eingelöst wird. Süffisant bemerkte Arvid Kämmerer, die Strecke liege in der falschen Himmelsrichtung, als Ost-West-Verbindung wäre sie eher und finanziell besser gefördert worden.

Dass sie endlich verbessert wird, soll wegen des zunehmenden Verkehrs notwendig sein. Mehr Güterzüge vom und zum Ostseehafen, mehr Sonderzüge für die Touristen, die nach Berlin möchten oder zu den Kreuzfahrtschiffen, die am Pier in Warnemünde anlegen - das sorgt für mehr Fahrgäste in den Regionalzügen. Hin und wieder fährt auch ein Fernzug. Allerdings ist es mit neuem Schotter und neuen Gleisen nicht getan. Die aktuellen Vorschriften der Europäischen Union verlangen größere Erdbewegungen. Und zwischen Waren und Kargow muss an der Stelle, an der einst ein Munitionszug explodierte, nach den gefährlichen Geschossen gesucht werden. Zwischen dem 10. September und dem 8. Oktober soll die Munition entschärft werden.

Die Stadt Oranienburg, in der immer wieder Blindgänger gefunden werden, soll zur Ruhe kommen. Zwischen 2012 und 2015 werden dort mit modernen Methoden flächendeckend Kampfmittel gesucht und beseitigt. Allerdings muss dafür - bis auf die S-Bahn - vom 10. September bis zum 26. April der Zugverkehr ruhen. Währenddessen sind für die Arbeit an der Bahnstrecke nach Rostock auch beide Gleise zwischen Fürstenberg/Havel und Neustrelitz sowie zwischen Nassenheide und Löwenberg voll gesperrt. Dass Pendlern in die Hauptstadt und Touristen dann nur noch die S-Bahn für eine Fahrt nach Oranienburg zur Verfügung steht, ist für alle »ein Hammer«, wie es ein Einwohner nannte. Die Deutsche Bahn leitet Züge um, wo immer das möglich ist. Außerdem setzt das Verkehrsunternehmen mit großem Aufwand Busse ein, denkt dabei auch an die Rollstühle, Kinderwagen und Fahrräder.

Doch so ideal wie die Züge ist der Schienenersatzverkehr nun einmal nicht. Mit Grauen denkt Renado Kropp von der Bahntochter DB Regio an den möglichen Stau auf der Autobahn vor Berlin, in dem die Busse stecken bleiben könnten. Er muss auf Einwohnerversammlungen Rede und Antwort stehen, sich mit mehr oder weniger tauglichen Vorschlägen befassen. Und er beruhigt mit dem Hinweis, dass die Ersatzkonzeptionen noch nicht der Weisheit letzter Schluss seien.

Hans-Werner Franz vom Verkehrsverbund rät, sich rechtzeitig schlau zu machen. Informationen gibt es beispielsweise im Internet und in Kundenzeitungen. Behinderte können erfahren, ob Niederflurbusse eingesetzt werden. Franz hat auch eine gute Nachricht: »Zum Fahrplanwechsel 2013/2014 sind wir auf dieser Strecke schneller und vielleicht auch pünktlicher, jetzt 85 Prozent, wir erwarten mehr als 95 Prozent!« Zehn Minuten schneller soll es von Berlin bis nach Neustrelitz gehen.

Weitaus mehr Zeit ließe sich natürlich gewinnen, gäbe es endlich wieder die direkte Strecke von Berlin in den Norden. Denn die Rostocker Züge fahren weiter über den Außenring, und nicht geradeaus nach Rostock. Arvid Kämmerer versichert: »Wir haben diese Strecke nicht vergessen!«

Konzept des VCD

Dresden (dpa/nd). Der Fahrgastverband VCD hat am Mittwoch ein eigenes Konzept für den Fernverkehr der Bahn in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ab 2017 präsentiert. Demnach ist es möglich, jede Großstadt in der Region mindestens stündlich an den Fernverkehr anzuschließen. Der VCD will damit vor allem zeigen, dass die vollständige Inbetriebnahme der Neubaustrecke zwischen Leipzig/Halle, Erfurt und Nürnberg keine negativen Folgen für andere Orte haben muss.

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