Gábor Kerényi, Budapest 12.06.2012 / Politik

Viktor Orbáns wahrer Systemwechsel

Ungarns Regierung flüchtet sich in Geschichtsrevisionismus

Nachdem der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán durch ein Ultimatum von EU und Internationalem Währungsfonds in zentralen Fragen seiner Politik zum Rückzieher gezwungen worden ist, versucht er neue politisch-taktische Wege einzuschlagen. Unter anderem äußert sich das in der unübersehbaren Wucherung einer Art Symbolpolitik.

Eine Welle von Umbenennungen öffentlicher Straßen und Plätze überschwemmt Ungarn, vor allem die Hauptstadt Budapest. In einer ersten Etappe waren 26 Bezeichnungen betroffen. Der zentrale Verkehrsknotenpunkt von Buda wurde vom Moszkva-Platz (Moskauer Platz) zum Széll-Kálman-Platz umgetauft. Kálmán Széll war einer der reaktionärsten Innenminister der ungarischen Geschichte. Aus dem Platz der Republik wurde der Johannes-Paul-II.-Platz. Widerstandskämpfer des Zweiten Weltkriegs, die auch nur entfernt mit der politischen Linken zu tun hatten, wurden von den Straßenschildern getilgt.

Das Umschreiben der Vergangenheit ist für die ungarische Bevölkerung freilich nichts Neues, es geschieht seit Langem alle ein bis zwei Jahrzehnte, auch wenn es sehr viel Geld kostet: Neue Personalausweise, Straßentafeln, Stadtpläne, Kopfbogen und Briefumschläge belasten Ämter und Unternehmen. Die offizielle Begründung der jüngsten Neuerungswelle lautet: »In...

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