China zeigt Interesse für Grönland

Hu Jintao in Kopenhagen

Chinas Präsident Hu Jintao wählte eine ungewöhnliche Route für die Reise zum G20-Gipfel in Mexiko. Statt über den Pazifik zu fliegen, machte er Zwischenstation in Kopenhagen.

Hu Jintaos Reiseroute hat ihren Grund in den felsigen Tiefen Grönlands. Dort nämlich wurden mehrere ausbeutungswürdige Vorkommen der sogenannten Seltenen Erden gefunden, für deren Förderung demnächst Lizenzen erteilt werden. Ohne Seltene Erden könnten weder Windräder noch Pumpen, Flachbildschirme oder Waffensysteme gebaut werden.

China hat im Sektor der Seltenen Erden mit 97 Prozent Marktanteil fast das Weltmonopol. Diese Position will es verständlicherweise verteidigen, während europäische und US-amerikanische Unternehmen über die steigenden Preise klagen. Also ist ein Wettlauf um die Seltenen Erden entbrannt. Peking hat der grönländischen Autonomieregierung angeboten, rund 180 Millionen Euro in den Ausbau der Infrastruktur - Häfen, Flughäfen und Straßen - zu investieren. Ohne solche Vorbereitungen wäre ein Abbau der Rohstoffe schlecht möglich. Darüber hinaus sind auch die künftigen arktischen Schifffahrtsrouten und die Fischereimöglichkeiten für China interessant.

Die EU wiederum bietet Grönland 218 Millionen Euro für den gleichen Zweck im Rahmen eines Partnerschaftsabkommens an. EU-Industriekommissar Antonio Tajani besuchte Grönland, um eine Absichtserklärung zur gemeinsamen Rohstoffgewinnung unter marktfairen und nachhaltigen Bedingungen zu unterzeichnen. Teure westeuropäische Investitionen könnten allerdings untergraben werden, falls China unter Nutzung seiner strategischen Reserven ein langwieriges Preisdumping betreibt.

In Kopenhagen mehren sich die Stimmen, die vor zu engen Bindungen Grönlands an China warnen. Man sorgt sich um faire Wettbewerbsbedingungen, ist sich jedoch dessen bewusst, dass Rohstofffragen, darunter die Vergabe von Lizenzen, seit Inkrafttreten des Autonomiestatuts 2009 allein grönländische Angelegenheit sind. Und sowohl Dänen als auch Grönländer befürworten einen Beobachterstatus für China im Arktischen Rat. Peking selbst betrachtet sich als »arktisnahe Nation«.

Schon in allernächster Zukunft werden die grönländischen Politiker die Weichen dafür stellen, in welche Richtung sich Kalaallit Nunaat - ihr »Land der Menschen« - bewegt.

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